{"id":868,"date":"2016-06-28T13:20:42","date_gmt":"2016-06-28T11:20:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=868"},"modified":"2016-06-28T13:24:38","modified_gmt":"2016-06-28T11:24:38","slug":"auf-gehts-ins-blaetterdach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/auf-gehts-ins-blaetterdach\/","title":{"rendered":"Auf geht\u2019s ins Bl\u00e4tterdach"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_868 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_868')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_868').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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F\u00fcr ihre Reportage hat Christine Hendriks die beiden bei ihren Forschungen in den W\u00e4ldern der Region begleitet.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein weiterer interessanter Artikel aus unserem Seminar <a href=\"http:\/\/www.zks.rwth-aachen.de\/go\/id\/keuh\">Journalistisches Schreiben<\/a>, der auch in der AZ \/ AN erschienen ist. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wie und warum Vanessa Bursche und Klara Kr\u00e4mer Eifelw\u00e4lder unter die Lupe nehmen. Vom Wert der B\u00e4ume.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es regnet nicht. Seit etwa einer Stunde ist es dunkel. Durch die Baumkronen scheint fahles Mondlicht und wirft bizarre Schatten auf den Waldboden. Ein K\u00e4uzchen schreit. Dann ist es wieder still. Niemand ist um Mitternacht im Wald unterwegs \u2013 sollte man meinen. Zwei junge Frauen schleppen eine Obstbaumleiter durch das Unterholz und richten sie unter einer Buche auf. Klara dr\u00fcckt die Verankerungen tief in den Boden, w\u00e4hrend Vanessa ihr Messger\u00e4t \u00fcberpr\u00fcft. \u201eDas sollte halten\u201c, sagt Klara. Vanessa grinst und klettert die frei stehende Leiter vier Meter hoch bis ins Bl\u00e4tterdach.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ein RWTH-Projekt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vanessa Bursche und Klara Kr\u00e4mer sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut f\u00fcr Umweltforschung der RWTH Aachen. Als Promotions-Stipendiatinnen der Dr.-Axe-Stiftung untersuchen sie den Einfluss verschiedener Waldmanagement-Strategien auf die Entwicklung der Rotbuchenw\u00e4lder in der Eifel. Silvaluta, ihr Projekt, l\u00e4uft seit 2010. Ziel ist es, die \u00f6kologischen Prozesse zu verstehen, denn neben dem Rohstoff Holz liefern die W\u00e4lder einen wichtigen Beitrag zum Klima und dienen als Lebensraum f\u00fcr viele Tierarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eEs gibt viele alte Best\u00e4nde schon von vor den Wetteraufzeichnungen, und man wei\u00df nicht, wie die Leute den Wald damals bewirtschaftet haben. Manchmal f\u00fchren sogar R\u00f6merstra\u00dfen durch den Wald\u201c, erz\u00e4hlt Martina Ro\u00df-Nickoll, Leiterin der Arbeitsgruppe \u201e\u00d6kologie und \u00d6kotoxikologie der Lebensgemeinschaften\u201c. Die Erforschung der unterschiedlich bewirtschafteten Waldfl\u00e4chen im Landkreis Ahrweiler bringt viele Herausforderungen mit sich. \u201eB\u00e4ume leben sehr lange. Ein Menschenleben betr\u00e4gt nur circa ein F\u00fcnftel des Lebens eines Baumes.\u201c Deshalb k\u00f6nne man W\u00e4lder nur in Momentaufnahmen untersuchen. Eine komplexe Aufgabe, die f\u00fcr die \u00d6kologin auch eine pers\u00f6nliche Bedeutung besitzt. \u201eIch m\u00f6chte die W\u00e4lder so naturnah wie m\u00f6glich gestalten, und durch die Aufkl\u00e4rung der Prozesse vermitteln, wie wertvoll sie f\u00fcr uns sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In einem gesunden Wald ist es im Sommer k\u00fchler und feuchter als auf dem freien Feld. Die klimatischen Bedingungen stehen in engem Zusammenhang mit der Photosynthese der Bl\u00e4tter. Ein zentraler biologischer Prozess, den Vanessa Bursche untersucht,um die Vitalit\u00e4t der B\u00e4ume zu bestimmen. Denn mit Hilfe von Sonnenlicht, Kohlendioxid (CO2) aus der Luft und Wasser produziert ein Baumsein organisches Baumaterial. F\u00fcr einen Kubikmeter Holz bindet er eine Tonne CO2 und bildet gleichzeitig 750 Kilogrammlebenswichtigen Sauerstoff \u2013 ein echter Beitrag zum Klimaschutz.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr die Freilandarbeit muss man spontan sein. \u201eManchmal fahre ich zwei Stunden zum Wald, weil der Himmel klar ist, und kaum bin ich da, f\u00e4ngt es an zu regnen\u201c, sagt Vanessa Bursche und lacht. Ihr Messger\u00e4t bestimmt die Photosyntheseleistung der Bl\u00e4tter, indem es sie mit Licht bestrahlt, und \u201edas geht nur, wenn es keine\u00a0 ungew\u00fcnschte Reflexion durch Regentropfen gibt und die Bl\u00e4tter eine Stunde vorher nicht mehr dem Sonnenlicht ausgesetzt waren\u201c, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Deshalb unternahm sie mit Klara Kr\u00e4mer und der Obstbaumleiter bereits diverse lange n\u00e4chtliche Streifz\u00fcge durch die Eifeler Waldgebiete. Das Klettern im Dunkeln ist kein gew\u00f6hnlicher Job, aber an \u00dcbung mangelt es nicht: Bei zehn Bl\u00e4ttern pro Baum und drei B\u00e4umen pro Fl\u00e4che untersuchte sie 360\u00a0 Bl\u00e4tter. \u201eAm Anfang hatte ich wirklich ein bisschen Bammel, aber die Leiter ist sehr stabil.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Nachhaltiges Management<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Forstwirtschaft hat in Deutschland lange Tradition, und \u201ees wirkt sich langfristig aus, wie die F\u00f6rster den Wald behandeln\u201c, sagt Martina Ro\u00df-Nickoll. Im naturnahen Plenterwald gibt es B\u00e4ume verschiedenen Alters, das hei\u00dft, es werden nur einzelne B\u00e4ume entfernt. Anders der Altersklassenwald: Hier werden die B\u00e4ume gruppenweise ab einem bestimmten Alter gef\u00e4llt. \u201eUrspr\u00fcnglich war nahezu die gesamte Landesfl\u00e4che mit\u00a0\u00a0 Rotbuchenw\u00e4ldern bedeckt\u201c, so die \u00d6kologin. Doch durch die intensive Nutzung und die Einf\u00fchrung von schnellwachsenden Fichten und Douglasien sind die Rotbuchenbest\u00e4nde heute auf weniger als f\u00fcnf Prozent geschrumpft. Nachhaltiges Waldmanagement ist n\u00f6tig, um diese W\u00e4lder f\u00fcr kommende Generationen zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Mikroskop, daneben eine Glasschale mit toten schwarzen K\u00e4fern, die s\u00e4uberlich angeordnet auf dem R\u00fccken liegen \u2013 Klara Kr\u00e4mer kennt sie alle. \u201eIch untersuche, wie sich die verschiedenen Waldwirtschaftsformen auf die Vielfalt der K\u00e4ferarten auswirken\u201c, sagt die Doktorandin. Dazu hat sie K\u00e4fer in Bodenfallen gefangen und 10 000 Liter Waldboden durchsiebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Eine gewisse Sehnsucht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie holt ein Foto aus ihrem Ordner. \u201eDas ist ein Holzr\u00fcssler\u201c, eine seltene Art, die f\u00fcr ihre Arbeit besonders aufschlussreich ist. Der nur zwei Millimeter gro\u00dfe Bewohner alter W\u00e4lder ern\u00e4hrt sich von Totholz und ist fl\u00fcgellos. Deshalb bewegt er sich nur wenige Meter pro Jahr und kann vor \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen nicht fliehen. Wenn sie ihn findet, hat Kr\u00e4mer ein wichtiges Indiz, dass es sich um einen alten naturbelassenen Wald handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eW\u00e4lder sind etwas Besonderes\u201c, da sind sich die drei Wissenschaftlerinnen einig. \u201eVielen Leuten ist heute nicht mehr klar, dass diese \u00d6kosysteme ganz ohne den Menschen funktionieren, weil die Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum zu balancierten Systemen f\u00fchrt\u201c, sagt Martina Ro\u00df-Nickoll. F\u00fcr die Untersuchung dieser komplexen Prozesse erfahren die Forscherinnen viel positive Resonanz von der \u00d6ffentlichkeit. Das sei vor 30 Jahren noch nicht so gewesen, erinnert sich die Gruppenleiterin. \u201eIch glaube, die Menschen sehnen sich heute nach etwas Dauerhaftem, und finden im Wald Erholung vom hektischen Alltag.\u201c Ein Grund mehr, wieder in die Eifel zu fahren, finden Klara Kr\u00e4mer und Vanessa Bursche \u2013 \u00d6kologinnen aus Leidenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Das Projekt Silvaluta<\/strong> des Instituts f\u00fcr Umweltforschung der RWTH Aachen l\u00e4uft seit 2010 bis voraussichtlich Ende 2016. In diesem Zeitraum werden in der Eifel im Landkreis Ahrweiler unter anderem die Auswirkungen verschiedener Waldbewirtschaftungsformen auf die Vitalit\u00e4t der B\u00e4ume und die Lebensgemeinschaften der Tiere und Pflanzen untersucht. Ziel ist es, durch die Forschungsergebnisse ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die \u00f6kologischen Prozesse zu erlangen, um die heimischen Rotbuchenw\u00e4lder zuk\u00fcnftig naturnah zu gestalten. F\u00f6rderer sind die Dr.-Axe-Stiftung und die Gemeinde H\u00fcmmel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Was machen zwei Studierende nachts im Wald? F\u00fcr ihre Reportage hat Christine Hendriks die beiden bei ihren Forschungen in den W\u00e4ldern der Region begleitet. 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