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Eine IT-Zeitreise II – Von der Diskette zum Cloud-Speicher

19. August 2026 | von
Vor orangenem Hintergrund Pikotgramme einer Diskette, CD, USB-Stick und einer Wolke

Quelle: Eigene Darstellung

Herzlich willkommen zum zweiten Teil unserer IT-Zeitreise! Dieses Mal begeben wir uns in das Reich der Speichermedien und verfolgen ihre Entwicklung von 1,44 Megabyte (MB) im rechteckigen Plastikgehäuse bis zu den scheinbar unbegrenzten Kapazitäten der Cloud.

 

 

Die Diskette: 1,44 MB zum Mitnehmen

Eine Diskette kam selten allein. Als tarnungsfreundliches Rudeltier wurde sie wegen ihrer geringen Speicherkapazität meist in größeren Gruppen gehalten. Einzelne Exemplare verließen dennoch gern ihr Gehege auf dem Schreibtisch und verschwanden zwischen Aktenordnern und Notizzetteln.

Im Inneren verbarg sich eine flexible, magnetisch beschichtete Kunststoffscheibe. Beim Lesen und Schreiben drehte sie sich im Laufwerk, während ein Schreib- und Lesekopf die in Spuren und Sektoren organisierten Daten erfasste oder veränderte. Ein Schieber am Gehäuse diente als Schreibschutz.

IBM entwickelte Ende der 1960er-Jahre die erste 8-Zoll-Diskette und brachte sie 1971 zunächst als nur lesbares Medium für Softwareupdates auf den Markt. Ihre 80 Kibibyte (KiB) entsprachen etwa 1.000 Lochkarten. Mit dem Aufstieg der Mikrocomputer schrumpfte das Format: Auf 5,25 Zoll folgte 1981 die stabilere 3,5-Zoll-Diskette. Mit 1,44 MB wurde sie zum Standard der PC-Welt, konnte mit wachsenden Datenmengen aber bald nicht mehr Schritt halten. Microsoft Office Professional 4.3 erschien 1994 allein in der deutschsprachigen Ausgabe auf 32 Disketten. Ab Ende der 1990er-Jahre übernahmen CDs und später USB-Sticks ihre Aufgaben – und das kleine Rudeltier verschwand aus Laufwerken und Schreibtischschubladen.

 

CD-ROM, CD-R und CD-RW: Hunderte Disketten auf einer Scheibe

Eine CD war empfindlicher als ein rohes Ei. Schon ein Kratzer konnte dafür sorgen, dass das Laufwerk nur noch ratlos surrte. Dann begannen die allerseits bekannten Rettungsritual: gegen das Licht halten, anhauchen, am Ärmel polieren – meist mit überschaubarem Erfolg.

Anders als die Diskette speichert eine CD Daten optisch. Sie liegen auf einer spiralförmigen Spur, die ein Laser abtastet. Aus Unterschieden in der Lichtreflexion rekonstruiert das Laufwerk die Informationen. Mit etwa 650 MB bot eine CD Platz für rund 450 Disketten.

CD war jedoch nicht gleich CD. Die industriell hergestellte CD-ROM diente vor allem zur Verteilung von Software, Spielen und Lexika. „ROM“ steht für „Read-Only Memory“: Die Daten konnten gelesen, aber nicht verändert werden. Für eigene Dateien brauchte es eine CD-R und einen Brenner. Der Laser schrieb die Daten dauerhaft in eine Farbstoffschicht; die Disc ließ sich einmal beschreiben und danach beliebig oft lesen – sofern der Brennvorgang nicht kurz vor Schluss scheiterte. Die ab 1996 eingeführte CD-RW konnte gelöscht und erneut beschrieben werden, war aber nicht mit jedem älteren Laufwerk kompatibel. Damit boten CD-R und CD-RW deutlich mehr Platz als die Diskette, bis der USB-Stick den Datentransport einfacher machte.

 

Der USB-Stick: Gigabytes am Schlüsselbund

Der USB-Stick war ein großer Schritt nach vorn: kleiner als eine CD, robuster und ohne Brennvorgang wiederbeschreibbar. Er passte an den Schlüsselbund, in die Hosentasche – und ebenso leicht in eine Schublade, in das Eisfach zwischen den Einkäufen oder als Teil der Arbeitskleidung in die Waschmaschine.

Im Inneren des USB-Stick arbeitet ein Flash-Speicher, der Daten auch ohne Strom behält. Ein Controller verwaltet die Speicherzellen und vermittelt zum Computer. Danach übernimmt die USB-Schnittstelle die Datenübertragung und Stromversorgung. Ohne rotierende Scheibe, Schreibkopf oder Laser werden Dateien elektronisch gespeichert, gelöscht und neu geschrieben.

Um das Jahr 2000 kamen erste kommerzielle Modelle wie „ThumbDrive“ und „DiskOnKey“ mit 8, 16 oder 32 MB auf den Markt. Entscheidend war nicht nur die Kapazität, sondern die einfache Nutzung: einstecken, öffnen, kopieren, mitnehmen. Mit schnelleren USB-Standards wurden aus Megabytes bald Gigabytes (GB) und später Terabytes (TB).

Unverwüstlich war der kleine Begleiter jedoch nicht. Zu frühes Abziehen, beschädigte Dateisysteme, verschlissene Speicherzellen oder ein verbogener Anschluss konnten Daten gefährden. Trotzdem hat sich der USB-Stick als Installations-, Rettungs- und Transportmedium gehalten.

 

Der Cloud-Speicher: Daten überall – ganz ohne Datenträger

Die Cloud? Sie ist nicht immer erreichbar – aber wenigstens kann man sie weder zerkratzen noch mitwaschen. Dafür genügt schon schwaches WLAN, damit eine dringend benötigte Datei scheinbar unerreichbar über den digitalen Wolken schwebt.

Tatsächlich liegen Cloud-Daten auf realen Festplatten und Flash-Speichern in Rechenzentren. Der Anbieter betreibt die Infrastruktur und stellt Speicherplatz als Dienst bereit. Dateien werden über das Internet hochgeladen und lassen sich auf verschiedenen Geräten abrufen, teilen oder gemeinsam bearbeiten. Änderungen werden häufig automatisch synchronisiert.

Vorläufer gab es bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren. Zum modernen, flexibel skalierbaren Dienst entwickelten sich Cloud-Speicher vor allem ab den 2000er-Jahren. Ein Meilenstein war Amazon S3 im Jahr 2006. Heute wird das Prinzip privat ebenso genutzt wie in Unternehmen, Forschung und Verwaltung.

Der Komfort bringt neue Fragen mit sich: Ohne Netz ist der Zugriff eingeschränkt, und Zugriffsrechte, Verschlüsselung, Datenschutz sowie Anbieterabhängigkeit müssen berücksichtigt werden. Zudem ersetzt Synchronisation kein Backup, denn nun können versehentlich gelöschte Dateien auf allen Geräten verschwinden.

Die Cloud hat physische Speichermedien nicht abgeschafft, sondern aus unserem Blickfeld gerückt. Statt Diskettenstapel, CD-Hüllen oder USB-Sticks mit uns herumzutragen, vertrauen wir darauf, dass unsere Daten im Rechenzentrum warten. Und dauert der Zugriff einmal länger, bleibt wenigstens ein Trost: Die Datei steckt nicht auf einem USB-Stick in der Waschmaschine.

 


 

Verantwortlich für die Inhalte dieses Beitrags ist Maike Lennartz.

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