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Kilian

Wohnungssuche in einer 4,5-Millionenstadt

15. Juni 2015 | von

Wie bereits in meinem ersten Blog geschrieben, bin ich ohne vorher ein Zimmer gebucht zu haben nach Sydney geflogen. Ein Dach über dem Kopf zu finden war also zunächst Priorität Nummer eins. Relativ spontan hatte ich mir in Dublin, von wo aus ich nach Sydney geflogen bin, noch eben ein Hostel am Hauptbahnhof für 2 Nächte gebucht. (Was sich als absolute Katastrophe herausstellte…)

Zunächst hatte ich mir ein paar Eckdaten gesetzt:

  1. Ich hätte gern mein eigenes Zimmer!

Mit das erste, was ich hier festgestellt habe, ist, dass es unter Studenten nicht unüblich ist, sich ein Zimmer zu teilen. Meister dieser Disziplin sind die asiatischen Studenten, die auch gerne mal ein Zimmer zu viert bis sechst belegen. Da dann leider nicht so viele Schlüssel zum Appartement verfügbar sind, kostet own key extra. Da mein Praktikantengehalt zum Glück relativ solide ausfällt, kann ich diese Bedingung schon mal umsetzen. Gewinner dieser Geschichte ist meist der Vermieter, der natürlich nicht in der Wohnung wohnt, sondern für ein Zimmer mit vier Stockbetten mal eben A$ 600 in der Woche einnimmt. Bezahlt von Studenten, die es sich eigentlich nicht leisten können in Sydney zu leben. Ja, richtig gelesen, Bett im 4er Zimmer, keine Privatsphäre, kein eigener Schlüssel für die Wohnung macht dann so um die A$ 120-150 in der Woche.

  1. Ich würde mir mein Badezimmer gerne mit weniger als vier Leuten teilen.

Da ich gerne morgens vor der Arbeit duschen will, habe ich kein Bock eine Nummer dafür zu ziehen… Die nächste Bedingung hat das Feld schon wieder weiter eingegrenzt und unter A$ 200 pro Woche war eigentlich schon nichts mehr zu holen.

  1. Mein Arbeitsweg sollte möglichst nicht länger als 45 Minuten dauern und die Innenstadt auch nicht außer Reichweite liegen.

Wie man das aus Europa kennt, hatte ich mir schon aus Deutschland die üblichen Webseiten organisiert. Ich hatte auch schon ein paar E-Mails mit ein paar Zeilen über mich selbst geschickt. Diesen Aufwand hätte ich mir mal gekonnt sparen können, es kam original keine einzige Antwort zurück. Das hat dann schon zu einem leicht mulmigen Gefühl geführt, aber muss man eben nehmen, wie es kommt. (Eins meiner Lebensmottos). Nachdem die Email-Taktik grandios gescheitert war, habe ich mir als erste Amtshandlung noch am Flughafen eine australische SIM-Karte besorgt und los gings.

 

Besichtigung 1:

Ich treffe mich in einer für mich top gelegenen Straße in Surry Hills, einem offenen, mit Bars und Kultur gespickten Viertel in der Nähe des Hauptbahnhofs. Nur circa 5 Minuten zu spät biegt James um die Ecke. James ist ein Asiate so um die 50. Auf Nachfrage schmunzelt er kurz, er wohne natürlich nicht in der Wohnung, sondern fünf internationale gemischte Studenten/Young Professionals. Wir gehen also zusammen rein, alles super eng. Ich bin jetzt nicht unbedingt pingelig was Sauberkeit betrifft, aber als James eine ca. 5cm große Kakerlake aus dem Weg gekickt hat, wusste ich, dass das hier eher nicht meine Bude wird. Als James dann auch noch freizügig in das abgeschlossene Zimmer von dem Kollegen, der das Glück hatte da raus zu dürfen, ging, habe ich mich relativ easy verabschiedet. Der erste Eindruck war also schon mal grandios. A$ 245/Woche, danke für alles James.

Besichtigung 2:

Ich treffe mich so ca. 1km weiter mit Danielle, einer netten Brasilianerin, die die Wohnung vermietet. Leider liegt diese etwas ab vom Schuss, aber die Wohnung an sich und das Zimmer sind super. Sehr internationale WG mit insgesamt 5 Leuten. Wieder war keiner zu Hause, was ich etwas seltsam finde, aber das scheint hier der Modus zu sein. Ein kleiner, aber feiner indoor pool im Keller. Nun kam der Haken, ein Argentinier pennt im Wohnzimmer, sein Bett ist nur durch einen Vorhang abgetrennt. Er ist jedoch kein arbeitsloser Backpacker, der von der Hand in den Mund lebt, sondern ist Bioingenieur (oder so in die Richtung) macht einen PhD. So langsam wird mir klar, was mich hier erwartet. Die Mietkosten scheinen hier einige Leute zu Kompromissen zu zwingen.

Kostenpunkt 290 A$ /Woche.

Besichtigung 3:

Ich hab mich eine halbe Stunde von einer durchgeknallten voll blondierten Chinesin, die nach Berlin zieht, ein Schnitzel ans Ohr labern lassen. Dass sie eigentlich auszieht und von daher es daher gut gewesen wäre, wenn Sie mal die anderen beiden, mit denen ich ggfs. zusammenwohne, zu Wort kommen lassen sollte, hat sie nicht gestört.

Besichtigung 4:

Als letztes kam ich in meiner jetzigen Wohnung bzw. Haus an. Große saubere Küche und das Zimmer ist auch völlig ausreichende 13-14qm groß. Mit mir war ein deutsches Pärchen bei der Besichtigung, Fremdschämen pur war angesagt. Nachdem Laura, eine 27jährige Australierin, die zusammen mit ihrem Bruder hier wohnt, es geschickt eingefädelt hatte, die beiden Freaks hinauszulotsen, haben wir uns gut unterhalten und verstanden. Einige Tage, ein paar Runden FIFA mit Lauras Freund und ein paar Bierchen mit Shaun(der zweite Mitbewohner) im Pub nebenan später, habe ich das Gefühl es ganz gut getroffen zu haben. Ich marschiere jeden Morgen stramme acht Minuten zum Central(der Hauptbahnhof), mein Arbeitsweg sind insgesamt 40 Minuten. Viele der Sydneysider beneiden mich dafür, einige meiner Kollegen fahren 90 Minuten einfach.

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Mein Schwimmbad habe ich auch schon gefunden

Blick von der harbour bridge

Blick von der harbour bridge

harbour bridge (Blick aus dem Luna Park)

harbour bridge (Blick aus dem Luna Park)

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