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Elektrotechnik und Informationstechnik

Forschung

Auf dieser Seite stellen wir aktuelle Beiträge zur Forschung in der Elektrotechnik und Informationstechnik vor

Die nächste Generation Computerchips ist „Made in Aachen“

Black Simiconduktor, v.l.: Sebastian Schall, Dr.Daniel Schall

Der Aachener Ingenieurpreis 2026 geht an die Black Semiconductor-Gründer Dr. Daniel Schall und Sebastian Schall – Ein Meilenstein für die Mikroelektronik aus der Region.

Die nächste Generation von Computerchips wird maßgeblich in Aachen geprägt. Wir freuen uns sehr, dass der diesjährige Aachener Ingenieurpreis an zwei Visionäre verliehen wird, deren Weg eng mit der exzellenten Forschung an unserer Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik verbunden ist: Dr.-Ing. Daniel Schall und Sebastian Schall, Gründer des Start-ups Black Semiconductor.

Die technologische Grundlage für diesen Erfolg bildet eine bahnbrechende Innovation in der Graphen-Photonik. Während konventionelle Halbleiterarchitekturen durch Hitzeentwicklung und begrenzte Bandbreiten bei der Datenübertragung zunehmend an ihre Grenzen stoßen, setzen die Schalls auf einen neuen Ansatz: Anstatt Daten ausschließlich über elektrische Leiterbahnen zu schicken, ermöglichen sie auf dem Chip eine direkte Umwandlung in optische Signale. Durch die Integration von Graphen, einem Material mit herausragenden physikalischen Eigenschaften, gelingt es, elektrische und optische Funktionen direkt auf einem Wafer zu vereinen.

„Dieser innovative Ansatz adressiert zentrale Leistungs- und Effizienzgrenzen bestehender Halbleiterarchitekturen und trägt entscheidend zur nächsten Generation von Hochleistungs- und KI-Systemen bei“, betont der Beirat des Aachener Ingenieurpreises in seiner Begründung.

Für unsere Fakultät ist diese Entwicklung ein herausragendes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Grundlagenarbeit in industrielle Souveränität übersetzt wird. Dr.-Ing. Daniel Schall, selbst promovierter Mikrosystemtechniker mit starkem Bezug zur Aachener Forschungslandschaft, legte während seiner Zeit am Forschungsinstitut AMO GmbH den Grundstein für diese Technologie. Der erfolgreiche Transfer aus der Forschung in ein Unternehmen, das heute über 130 Mitarbeitende beschäftigt, zeigt eindrucksvoll den Mehrwert der engen Verzahnung zwischen RWTH-Lehre und angewandter Forschung.

Inzwischen baut Black Semiconductor im Aachener Stadtteil Rothe Erde mit der „FabONE“ eine 15.000 Quadratmeter große Produktionsstätte auf, um Graphen-Chips in industriell relevantem Maßstab zu fertigen. Dieses Projekt stärkt nicht nur die europäische Halbleiterindustrie im Wettbewerb mit globalen Akteuren, sondern unterstreicht auch Aachens Rolle als Innovationshub für Zukunftstechnologien. Dabei setzen die Gründer konsequent auf CMOS-Kompatibilität, wodurch sich ihre Innovation nahtlos in bestehende industrielle Fertigungsprozesse integrieren lässt.

„Black Semiconductor stärkt den europäischen Halbleiterstandort durch seine enge Zusammenarbeit mit der Forschung und seine industrielle Ausrichtung nachhaltig. Das Unternehmen verkörpert somit in besonderer Weise innovationsgetriebene Ingenieurleistung“, erklärt Rektor Professor Ulrich Rüdiger. Auch die Stadt Aachen unterstreicht durch Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons die strategische Bedeutung: „Wir sind stolz, dass dieses Zukunftsunternehmen bewusst auf Aachen setzt.“

Die feierliche Verleihung des Aachener Ingenieurpreises findet am 5. September 2026 um 19 Uhr im Krönungssaal des Rathauses statt. Die Auszeichnung, gestiftet vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI), ehrt jährlich Persönlichkeiten, die das Ingenieurwesen maßgeblich vorangebracht haben.

Modulare Reinraumanlage innerhalb der neuen FabONE-Produktionshalle.

Verleihung der apl. Professur an PD Dr. Marian Walter

PD Dr.-Ing. Marian Walter wurde offiziell die Urkunde zur Verleihung der Bezeichnung „außerplanmäßiger Professor“ (apl. Prof.) überreicht. Diese Ernennung durch die Fakultät erfolgt als Anerkennung seiner langjährigen und kontinuierlichen Leistungen in der akademischen Lehre sowie seiner wissenschaftlichen Profilbildung in der Medizintechnik.

Die Verleihung einer außerplanmäßigen Professur ist an strikte wissenschaftliche Kriterien gebunden. Voraussetzung ist die Habilitation, mit der die Lehrbefähigung (Venia Legendi) bereits nachgewiesen wurde. Der Titel wird an Wissenschaftler vergeben, die über die Habilitation hinaus in Forschung und Lehre hervorragende Ergebnisse erzielt haben. Im akademischen System übernimmt ein apl. Professor Aufgaben in der eigenständigen Vertretung seines Fachgebiets, der Betreuung von Promovenden sowie in der Akquise und Leitung von Drittmittelprojekten.

Dr.-Ing. Marian Walter ist seit vielen Jahren am Lehrstuhl für Medizinische Informationstechnik (MedIT) des Helmholtz-Instituts für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen tätig. Nach seiner Promotion im Bereich der automatisierten Lungenventilation festigte er seine Expertise an der Schnittstelle zwischen Elektrotechnik und klinischer Anwendung.

Neben seiner Forschungstätigkeit ist Marian Walter maßgeblich an der Ausbildung von Studierenden der Elektrotechnik, Informationstechnik und Biomedizinischen Technik beteiligt. Seine Lehre zeichnet sich durch die methodische Vermittlung systemtheoretischer Grundlagen und deren Transfer in die medizinische Praxis aus. Die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor unterstreicht die personelle Exzellenz am Lehrstuhl MedIT und sichert die hohe Qualität der wissenschaftlichen Ausbildung an der RWTH Aachen im Bereich der Medical Information Technology.

Die Fakultät und das Institut gratulieren Prof. Dr.-Ing. Marian Walter zu dieser akademischen Anerkennung und freuen sich auf die Fortführung der erfolgreichen Zusammenarbeit.

Theorie in der Praxis: IAEW-Exkursion zur HGÜ-Infrastruktur

Mit Helm und Warnweste: 20 IAEW-Studierende vor der beeindruckenden Kulisse der Konverterstation.

20 IAEW-Studierende vertieften ihr Wissen über Hochspannungsgleichstromübertragung bei einer Besichtigung der Ultranet-Konverterstation in Meerbusch-Osterath.

Im Rahmen des Seminars „Hochspannungsgleichstromübertragung“ erhielten 20 Studierende des IAEW die Gelegenheit, den praktischen Ausbau der HGÜ-Infrastruktur unmittelbar vor Ort kennenzulernen. Ziel der Exkursion war die Station in Meerbusch-Osterath, die als Teil des Ultranet-Projekts die erste multiterminale HGÜ-Verbindung in Deutschland darstellt. Ein technisches Highlight der Anlage ist die deutschlandweit erstmalige Übertragung von Gleich- und Wechselstrom auf demselben Mast. Die Konverterstation wird zukünftig als Teil eines geplanten Bipol-Systems die Umwandlung zwischen AC und DC übernehmen, wobei die Anbindung in Richtung Emden über eine DC-Kabelverbindung erfolgt. Der Besuch bot den Teilnehmenden die ideale Möglichkeit, ihre im Januar erworbenen theoretischen Kenntnisse in der Baupraxis zu vertiefen.

Wir danken der Amprion GmbH herzlich für die fachkundige Führung und die spannenden Einblicke in dieses zukunftsweisende Projekt.

Etablierung eines jungen Forschungsfeldes: Synthetische Biologische Intelligenz

Ein Mann im weißen Kittel hält in einer Laborumgebung eine Platine mit verschiedenen integrierten Bauelementen in der Hand.

Dr. Frank Sommerhage zeigt ein bioelektronisches System aus der Forschung im Bereich der Synthetischen Biologischen Intelligenz. © Frank Sommerhage

Am Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik 1 (IWE1) wird das zukunftsweisende Forschungsfeld der Synthetischen Biologischen Intelligenz (SBI) weiter ausgebaut, ermöglicht durch eine Förderung im Rahmen des DAAD-Programms „Academic Horizons – Attracting Global Minds“. Konkret sollen im Projekt „GROW-SBI“ unter der Leitung von Dr. Frank Sommerhage internationale wissenschaftliche Talente gewonnen und neue Impulse an der Schnittstelle von Elektrotechnik, Biotechnologie und KI gesetzt werden.

Die Forschung in diesem Bereich eröffnet Perspektiven für adaptive, energieeffiziente und lernfähige Systeme, die sich grundlegend von heutigen digitalen Architekturen unterscheiden. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich biologische und technische Prozesse koppeln lassen, um neuartige Formen der Informationsverarbeitung zu ermöglichen.

„Anders als bei klassischer Künstlicher Intelligenz steht bei Synthetischer Biologischer Intelligenz nicht Software allein im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um das Zusammenspiel von moderner Technik mit lebenden Nervenzellen,“ erklärt Frank Sommerhage.

Gleichzeitig wirft die Forschung neue wissenschaftliche und ethische Fragestellungen auf, etwa in Bezug auf Kontrolle, Stabilität und Verantwortung im Umgang mit biohybriden Systemen. Das Thema vernetzt daher Forschende aus unterschiedlichsten Fachrichtungen. An der RWTH Aachen wird das Forschungsfeld der Synthetischen Biologischen Intelligenz derzeit aktiv aufgebaut; auch in Deutschland ist es bislang noch nicht institutionell verankert.

Forscherin trägt Probe auf Objektträger auf.

© Martin Braun

Projektleiter Dr. Frank Sommerhage hat die Forschungsrichtung über viele Jahre in den USA vorangetrieben und ist im Oktober 2025 an die RWTH, seine Alma Mater, zurückgekehrt, an der er 2011 mit der Arbeit „Chloride versus Protons – Ion Currents in the Cell-Transistor Junction“ promovierte. Nun möchte er selbst junge Talente fördern.

Bereits im Sommer kommt eine erste internationale Gruppe für ein dreiwöchiges Onboarding-Programm an die RWTH. Geplant sind Laborbesuche und Workshops sowie Einblicke in die Themen Zellkultur, Sensorik, computergestützte Auswertung, Philosophie und angewandte Ethik. Ergänzend werden Angebote bereitgestellt, die den Einstieg in die Forschung und das Leben in Aachen erleichtern sollen.

„Mit unserem Ansatz stärken wir das Profil der RWTH im Bereich der biomedizinischen Forschung und Technologie,“ so Frank Sommerhage.

Die RWTH Aachen erhält im DAAD-Programm „Academic Horizons – Attracting Global Minds“ bis Ende 2029 eine Förderung in Höhe von insgesamt 750.000 Euro. Die Mittel werden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des „1.000-Köpfe-Plus-Programms“ bereitgestellt. Ziel der Initiative ist es, deutsche Hochschulen dabei zu unterstützen, weltweit exzellente Talente für Master- und Promotionsprogramme in Schlüsseltechnologien sowie strategisch relevanten Forschungsfeldern zu gewinnen.

Die geförderten Forschungsthemen sollen einen interdisziplinären und vernetzenden Charakter aufweisen und zur Profilbildung sowie Internationalisierung der jeweiligen Universität beitragen. Bundesweit werden insgesamt 20 Hochschulen im Rahmen des Programms gefördert.


Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) wird als Verein von den deutschen Hochschulen und Studierendenschaften getragen. Er ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Forschenden. Seit seiner Gründung im Jahr 1925 hat der DAAD mehr als 2,9 Millionen junge Akademiker:innen im In- und Ausland gefördert.

Dr.-Ing. Sabine Paarmann erhält bedeutende Förderung für Batterie-Forschung

Dr.-Ing. Sabine Paarmann wurde mit einem hochdotierten Forschungsstipendium des Bundesministeriums für Forschung Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ausgezeichnet. Im Rahmen des Wettbewerbs „BattFutur – Junior Research Group for Battery Research“ erhält ihr Projekt über die nächsten fünf Jahre eine Förderung in Höhe von 2,7 Millionen Euro. Diese Initiative ist ein zentraler Bestandteil der Hightech-Strategie der Bundesregierung und zielt darauf ab, optimale Bedingungen für herausragende Wissenschaftler in der deutschen Batterieforschung zu schaffen.

Wissenschaftlerin hält eine Batteriezelle in einem Labor hinter einem technischen Versuchsaufbau.

ISEA

In ihrem Projekt „CooLIB – Thermal design and cooling strategies to boost the performance and lifetime of lithium-ion batteries“ entwickelt Dr. Paarmann mit ihrem Team innovative Zellkonzepte. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung thermischer und elektrochemischer Inhomogenitäten innerhalb der Zellen. Durch systematische Zyklustests werden diese Inhomogenitäten gemessen und ihre Wechselwirkungen quantifiziert, um deren Einfluss gezielt zu mindern. Die Forschungsergebnisse sollen direkt in die Entwicklung neuer Batteriezellen sowie in das thermische Management einfließen, um zukünftige Batterien effizienter und langlebiger zu gestalten.

Die neue Forschungsgruppe „Thermisch-elektrisches Design von Energiespeichersystemen“ unter der Leitung von Dr. Paarmann ist am Center for Ageing, Reliability, and Lifetime Prediction of Electrochemical and Power Electronic Systems (CARL) der RWTH Aachen angesiedelt. Dr. Paarmann verfügt über eine exzellente wissenschaftliche Expertise: Sie promovierte 2021 am KIT in Karlsruhe im Fachbereich Chemieingenieurswesen und Verfahrenstechnik und forschte vor ihrem Wechsel an die RWTH Aachen als DFG-geförderte Postdoc am Imperial College London.

Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik freut sich, Dr. Paarmann als neue Gruppenleiterin am ISEA begrüßen zu dürfen, und blickt mit großer Erwartung auf die kommenden Forschungsjahre und eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Zukunft des Hörens: Öffentliche Vortragsreihe beim „NeuroSensEar“-Workshop

Wie sieht die Hörhilfe der Zukunft aus? Und wie kann uns das menschliche Gehirn dabei helfen, effizientere Computer zu bauen? Vom 3. bis zum 5. März 2026, im Rahmen des Workshops „NeuroSensEar – Neuromorphe akustische Sensorik für leistungsfähige Hörgeräte von morgen“, lädt das Institut für Nachrichtentechnik der RWTH Aachen zu drei hochkarätigen öffentlichen Vorträgen in den Hörsaal FT (Melatener Str. 23, 52074 Aachen) ein.

Das Projekt NeuroSensEar“ widmet sich einer der spannendsten Herausforderungen der aktuellen Technik: der Entwicklung neuromorpher akustischer Sensorik. Das Ziel sind leistungsfähige Hörgeräte, die nicht nur besser verstärken, sondern intelligent und energieeffizient wie unser Gehirn agieren.

Mikrochip an einer Pinzette vor einem menschlichen Auge.

IENT

Begleitend zum Workshop geben drei renommierte Professoren unserer Fakultät exklusive Einblicke in ihre Forschung:

Neuromorphic Computing: Energieeffizienz durch biologisch inspirierte Hardware – Dienstag, 03.03.2026 | 17:00 Uhr

Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing. Dr. h.c. Rainer Waser

Die Informationstechnik steht vor einem Paradigmenwechsel: Klassische, algorithmische Datenverarbeitung wird zunehmend durch KI-basierte Ansätze ersetzt. Damit einher geht ein massiv steigender Energiebedarf. Um diesen zu senken, forschen Institute der Fakultät 6 an neuromorphen Systemen, die deutlich effizienter arbeiten als konventionelle Architekturen.

Im kommenden Vortrag präsentiert Prof. Waser die physikalischen Grundlagen redox-basierter memristiver Bauelemente. Der Fokus liegt auf einem interdisziplinären Ansatz zwischen Materialwissenschaften, Elektrotechnik und Informatik, der die Funktionsweise des menschlichen Gehirns als technisches Vorbild nutzt.

Neben der Hardware-Entwicklung werden konkrete KI-Anwendungen sowie deren gesellschaftliche Chancen und Risiken diskutiert. Den Abschluss bildet eine Reflexion über die Frage, ob zukünftige KI-Systeme ein Bewusstsein entwickeln könnten.

Reales Hören im Labor: Hörforschung in interaktiven VR-Umgebungen – Mittwoch, 04.03.2026 | 14:00 Uhr

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Janina Fels

Die Untersuchung auditiver Wahrnehmung und kognitiver Prozesse stützte sich bisher oft auf kontrollierte, aber unrealistisch vereinfachte Laborszenarien. Das Institut für Hörtechnik und Akustik (IHTA) der RWTH Aachen nutzt nun moderne audiovisuelle Virtual Reality (VR), um komplexe Alltagssituationen realitätsnah und interaktiv abzubilden.

Durch diese Technologie können Probanden in Echtzeit mit akustischen Szenen interagieren. Dies ermöglicht die präzise Untersuchung von Gehör und Aufmerksamkeit in akustisch anspruchsvollen Umgebungen wie Großraumbüros oder belebten Außenbereichen. Ein aktueller Forschungsschwerpunkt des IHTA liegt dabei auf der Analyse von Lärmbelastung, Aufmerksamkeit und Höranstrengung in Grundschulklassen.

Der Vortrag beleuchtet, wie VR-Methoden die Brücke zwischen klassischer Hörpsychologie und realen Lebenswelten schlagen. Zudem wird diskutiert, wie interdisziplinäre Ansätze aus Audiologie und virtueller Realität die Zukunft der Hörforschung prägen.

Brillen für die Ohren: Intelligente Kommunikationssysteme der Zukunft – Donnerstag, 05.03.2026 | 09:00 Uhr

Prof. Dr.-Ing. Peter Jax

Smarte Hearables entwickeln sich zunehmend von einfachen Kopfhörern zu intelligenten Mikrocomputern mit integrierter KI. Als „Brillen für die Ohren“ fungieren diese Systeme als persönliche Assistenten in den Bereichen Consumer Audio, Gesundheit und professionelle Kommunikation.

Ein zentrales Potenzial dieser Technologie liegt in der 3D-Telefonie. Durch räumliche Audio-Wiedergabe wird eine intuitive Unterscheidung von Sprechern ermöglicht, was die Immersion und das Präsenzgefühl in digitalen Meetings massiv steigert. Ziel ist eine Kommunikation, die trotz physischer Distanz die Natürlichkeit eines persönlichen Gesprächs erreicht.

Der Vortrag beleuchtet die aktuellen Entwicklungen aus Forschung und Industrie und diskutiert die akustischen sowie technischen Herausforderungen, die bei der Konstruktion solcher innovativen Plattformen bewältigt werden müssen.

60 Jahre Leistungselektronik, elektrische Antriebe und Batteriesysteme

Mit der Gründung des Instituts für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe (ISEA) im Jahr 1965 begann an unserer Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RWTH Aachen eine bis heute prägende Forschungstradition in den Bereichen Leistungselektronik, elektrische Antriebe und elektrochemische Energiespeicher. In einer Zeit, in der die Fakultät selbst noch im Aufbau war, legte das ISEA den Grundstein für eine enge Verbindung von Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.

Aus einem kleinen Team von rund zehn Mitarbeitenden entwickelte sich über sechs Jahrzehnte eines der international sichtbarsten Institute seines Fachgebiets mit heute mehr als 150 Beschäftigten. Seit fast 30 Jahren wird das ISEA von Professor Rik W. De Doncker geleitet, dessen Arbeiten insbesondere die moderne Leistungselektronik maßgeblich beeinflusst haben.

Ein zentrales Forschungsziel des Instituts war von Beginn an die Entwicklung emissionsfreier elektrischer Antriebssysteme. Bereits früh wurden Anwendungen für Schienenfahrzeuge und erste Elektrofahrzeuge untersucht – lange bevor Elektromobilität zum gesellschaftlichen Leitthema wurde. Wesentliche wissenschaftliche Beiträge leistete das ISEA unter anderem zur digitalen Regelung von Drehfeldmaschinen, zur PWM-Raumzeigermodulation sowie zur Weiterentwicklung der geschalteten Reluktanzmaschine (SRM). Mit der im Jahr 2000 vorgestellten Direct Instantaneous Torque Control (DITC) konnte die SRM als robuste, kostengünstige und seltene-Erden-freie Alternative im Antriebsbereich etabliert werden.

Auch in der Leistungselektronik setzte das ISEA nachhaltige Impulse. Besonders hervorzuheben ist die von Professor De Doncker entwickelte Dual Active Bridge, die heute als zentrales Schaltungskonzept in zahlreichen DC/DC-Wandlern Anwendung findet. Die Einsatzfelder reichen von Fahrzeug- und Industrieantrieben über Haushaltsgeräte bis hin zu Energiesystemen für erneuerbare Energien, Batteriespeicher und DC-Netze.

Seit den 1970er-Jahren bildet zudem die Batteriespeicherforschung einen festen Bestandteil der Institutsarbeit. Während zunächst Bleibatterien im Fokus standen, wurde ab der Jahrtausendwende gezielt die Lithium-Ionen-Technologie ausgebaut. Am Standort Rothe Erde entstand das größte universitäre Batterieprüfzentrum Deutschlands, ergänzt durch ein 5-MW-Speichersystem. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen in der Modellierung und Lebensdauerprognose, der Entwicklung von Batteriemanagementsystemen, der industriellen Elektrodenfertigung sowie in KI-gestützten Methoden für Betrieb und Analyse.

Die letzten zwanzig Jahre waren zudem durch eine gezielte strukturelle Weiterentwicklung geprägt: neue Professuren, der Aufbau des E.ON Energy Research Centers (E.ON ERC), der Forschungscampus Flexible Elektrische Netze (FEN) sowie der Neubau des Forschungsgebäudes CARL, das heute den Großteil des ISEA beherbergt. Ergänzt wird das Forschungsumfeld durch das Helmholtz-Institut Münster (HI MS) unter der Leitung von Professor Martin Winter.

Foto: heroal

Mit exzellenter Laborausstattung, über 230 abgeschlossenen Promotionen, mehr als 1000 Abschlussarbeiten und über 2000 wissenschaftlichen Publikationen steht das ISEA beispielhaft für die Forschungsstärke und Nachwuchsförderung unserer Fakultät. Nach 60 Jahren bleibt das Institut ein zentraler Motor für wissenschaftliche Innovation und akademische Ausbildung im Bereich der elektrischen Energietechnik.

Kaffee, Pizza und das Elixier der Untoten

Volle Aula und jede Menge neugierige Schülerinnen und Schüler: Der erste MINT Science Slam an der RWTH Aachen war ein voller Erfolg. Über 30 Schulen aus der Region waren mit ihren Oberstufenklassen vor Ort, um sich beim MINT Science Slam einen unterhaltsamen Einblick in die Vielfalt der MINT-Studiengänge zu verschaffen.

Volles Haus in der RWTH-Aula beim ersten MINT Science Slam.

Daphne Heil und Melih Dal

Das Konzept des Science Slams ist einfach und wirkungsvoll: Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler präsentieren ihr Forschungsthema in maximal zehn Minuten verständlich, kreativ und mit Begeisterung. Im Anschluss bewerteten die Schülerinnen und Schüler die Vorträge selbst. So entstand ein lebendiger Einblick in die Vielfalt von MINT, von Maschinenbau über Biotechnologie bis hin zur Medizin- und Elektrotechnik.

Mit dabei war auch Felix Walger, der in seinem Slam „Maßgeschneiderte Medizin(technik) für alle“ eindrucksvoll zeigte, wie ingenieurwissenschaftliche Forschung konkrete gesellschaftliche und medizinische Anwendungen ermöglicht. Sein Vortrag machte deutlich, welche zentrale Rolle Elektrotechnik bei der Entwicklung moderner, personalisierter Medizintechnik spielt, ein Thema, das bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse stieß.

Neben Walger standen weitere Nachwuchsforschende auf der Bühne, darunter Rosario Othen, der mit seinem Vortrag über Kaffee, Papier und Wissenschaft den Slam gewann, sowie Beiträge zu Themen wie Krebsforschung, Biotechnologie, Mathematik und nachhaltiger Energie. Wissensvermittlung traf auf Unterhaltung.

Der MINT Science Slam wurde erstmals als Kooperationsprojekt des RWTH Knowledge Hub und der Zentralen Studienberatung der RWTH Aachen durchgeführt. Professor Joost-Pieter Katoen, Prorektor für Lehre der RWTH, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der MINT-Fächer als Schlüsseltechnologien für das Verständnis unserer Welt. Moderiert wurde der Slam kurzweilig von Elena und Martin Lichtenthaler, unterstützt von der Campus Dance Crew, die zusätzlich für Begeisterung sorgte.

Der MINT Science Slam machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig niedrigschwellige, inspirierende Formate für die Studienorientierung sind und wie vielfältig, relevant und spannend MINT-Forschung an der RWTH ist. Für die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik war die Teilnahme von Felix Walger ein gelungenes Beispiel dafür, wie Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung wirkungsvoll zusammenkommen.

Resilienz durch Autonomie: Das Stromnetz der Zukunft

Die Energiewende verändert unsere Stromversorgung grundlegend. Während konventionelle Kraftwerke das Netz über Jahrzehnte stabilisiert haben, sorgen volatile Quellen wie Wind und Sonne für völlig neue Herausforderungen. Ereignisse wie der Angriff auf die Stromversorgung in Berlin Anfang 2026 zeigen deutlich: Unsere aktuellen, starr synchronisierten Netze sind verwundbar.

Eine Person arbeitet an einem Stromkreisverteiler

Martin Braun

Ein Forschungsteam unserer Fakultät unter der Leitung von Professor Antonello Monti, Direktor des Instituts für Automation komplexer Stromversorgungssysteme (ACS), hat gemeinsam mit der Aalborg University einen wegweisenden Ansatz in „Nature Reviews Electrical Engineering“ veröffentlicht. Die zentrale Idee: Das Stromnetz sollte nicht länger als eine einzige synchrone Einheit fungieren, sondern dem Vorbild des Internets folgen. Durch die Aufteilung in kleinere, autonome Teilnetze, die asynchron miteinander gekoppelt sind, wird das Gesamtsystem robust gegenüber großflächigen Störungen.

Dieses Konzept bildet die wissenschaftliche Grundlage für das von der RWTH koordinierte Projekt SAFEr Grid (ERC Synergy Grant). Anstatt allein auf massiven Netzausbau zu setzen, nutzt das Team um Professor Monti moderne Leistungselektronik, um Schwankungen flexibel auszugleichen und die Versorgungssicherheit langfristig zu garantieren.