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Logbuch Lehre

Die Projekte der RWTH Digi-Fellows – Blended Assessments: Praktische und theoretische Fähigkeiten kombiniert prüfen

27. April 2017 | von

Projektbeschreibung von apl.-Prof. Martin Baumann

Prüfungen gehören zur Hochschullehre wie der Gang zum Zahnarzt zu Ihnen. Sie wissen, dass es notwendig ist, aber so richtig gerne wollen Sie dann doch nicht hingehen. Doch wenn Sie es dann erfolgreich hinter sich gebracht haben, sind Sie froh und beruhigter. Die zahlreichen digitalen und analogen Verbesserungen der universitären Lehre in den vergangenen Jahren haben auch Spuren am Prüfungswesen hinterlassen. e-Prüfungen, d.h. der Ersatz von Klausuren durch Prüfungen am Computer, sind an der RWTH Aachen zum Tagesgeschäft geworden. Ob auch klassische mündliche und schriftliche Prüfungen durch die Integration elektronischer Hilfsmittel aufgewertet und realitätsnäher werden können, wird Prof. Martin Baumann in den kommenden zwölf Monaten im Fellowship-Projekt „Blended Assessments“ untersuchen.

Nachdem er an der RWTH Aachen die e-Prüfungen ans Laufen gebracht hat, untersucht er nun, unter welchen Bedingungen mündliche Prüfungen und Klausuren bei Beibehaltung ihres jeweiligen Charakters mittels digitaler Hilfsmittel praktische Kompetenzen prüfbar machen können. Dazu werden Applikationen erstellt und Hardwarekomponenten identifiziert, die zuvor in Praktika trainierte berufsrelevante Fähigkeiten bestmöglich abbilden und für unter Prüfungsbedingungen zur Verfügung stellen können.

Foto: RWTH Aachen

Am Beispiel einer Klausur für Ingenieure und Naturwissenschaftler mit Nebenfach Medizin würde dies wie folgt gestaltet. Um die während des Praktikums erarbeiteten Fähigkeiten zur Messung und Interpretation eines Elektrokardiogramms (EKGs) auch in Klausuren im Hörsaal messbar zu machen, erhält jeder Prüfling an seinem Platz die ihm bekannte Messhardware. Eine der Aufgaben in der Prüfung besteht nun beispielsweise darin, an sich selber zwei qualitativ gute EKG-Signale zu messen, eines im Zustand „eingeatmet“ und das zweite im Zustand „ausgeatmet“. Anschließend sind die Kurven nach Frequenz und Amplitude auszuwerten sowie die quantitativen und qualitativen Unterschiede zwischen den EKGs beider Zustände zu identifizieren und schriftlich zu begründen. Versagt ein Student bei der Messung des EKG-Signals, so kann er auf im Messgerät hinterlegte Beispieldatensätze zurückzugreifen und diese anstelle der eigenen Daten zu bearbeiten. Selbstverständlich stehen Ersatzgeräte zur Verfügung, falls die Messhardware eines Prüfungsteilnehmers einmal versagen sollte. Die Abbildung zeigt einen solchen Prüfungsplatz beispielhaft.

Indem ein Teil der inzwischen etablierten Innovationen aus dem elektronischen Prüfungsformat auch den „klassischen“, schriftlichen Klausuren und mündlichen Prüfungen zugänglich gemacht wird, kann erreicht werden, dass …

  • die inhaltliche Nähe zwischen einer Lehrveranstaltung der zugehörigen Prüfung und der berufspraktischen Anforderung für die Studierenden sichtbar vergrößert wird
  • die für die digitale Fortentwicklung von Lehrveranstaltungen bereits eingesetzten Ressourcen weitere Nutzungen in zusätzlichen Szenarien erfahren.
  • Prüfungen hinsichtlich ihrer Taxonomiestufen aufgewertet und damit anwendungsrelevanter werden.
  • Prüfungen weniger als das Ende eines fachbezogenen Lernprozesses verstanden werden, sondern vielmehr als einer von vielen Schritten in Richtung der beruflichen Qualifizierung.
  • bewährte Prüfungsformate nicht ohne Not durch elektronische Prüfungsformate vollständig ersetzt (verdrängt) werden.
  • Studierende eine höhere Motivation bei der Vorbereitung und der Absolvierung von Prüfungen empfinden können.

Die Übertragung auf andere Fächer und Fachbereiche ist prinzipiell möglich.



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