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Elektrotechnik und Informationstechnik

Forschung

Auf dieser Seite stellen wir aktuelle Beiträge zur Forschung in der Elektrotechnik und Informationstechnik vor

Dr.-Ing. Sabine Paarmann erhält bedeutende Förderung für Batterie-Forschung

Dr.-Ing. Sabine Paarmann wurde mit einem hochdotierten Forschungsstipendium des Bundesministeriums für Forschung Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ausgezeichnet. Im Rahmen des Wettbewerbs „BattFutur – Junior Research Group for Battery Research“ erhält ihr Projekt über die nächsten fünf Jahre eine Förderung in Höhe von 2,7 Millionen Euro. Diese Initiative ist ein zentraler Bestandteil der Hightech-Strategie der Bundesregierung und zielt darauf ab, optimale Bedingungen für herausragende Wissenschaftler in der deutschen Batterieforschung zu schaffen.

Wissenschaftlerin hält eine Batteriezelle in einem Labor hinter einem technischen Versuchsaufbau.

ISEA

In ihrem Projekt „CooLIB – Thermal design and cooling strategies to boost the performance and lifetime of lithium-ion batteries“ entwickelt Dr. Paarmann mit ihrem Team innovative Zellkonzepte. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung thermischer und elektrochemischer Inhomogenitäten innerhalb der Zellen. Durch systematische Zyklustests werden diese Inhomogenitäten gemessen und ihre Wechselwirkungen quantifiziert, um deren Einfluss gezielt zu mindern. Die Forschungsergebnisse sollen direkt in die Entwicklung neuer Batteriezellen sowie in das thermische Management einfließen, um zukünftige Batterien effizienter und langlebiger zu gestalten.

Die neue Forschungsgruppe „Thermisch-elektrisches Design von Energiespeichersystemen“ unter der Leitung von Dr. Paarmann ist am Center for Ageing, Reliability, and Lifetime Prediction of Electrochemical and Power Electronic Systems (CARL) der RWTH Aachen angesiedelt. Dr. Paarmann verfügt über eine exzellente wissenschaftliche Expertise: Sie promovierte 2021 am KIT in Karlsruhe im Fachbereich Chemieingenieurswesen und Verfahrenstechnik und forschte vor ihrem Wechsel an die RWTH Aachen als DFG-geförderte Postdoc am Imperial College London.

Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik freut sich, Dr. Paarmann als neue Gruppenleiterin am ISEA begrüßen zu dürfen, und blickt mit großer Erwartung auf die kommenden Forschungsjahre und eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Zukunft des Hörens: Öffentliche Vortragsreihe beim „NeuroSensEar“-Workshop

Wie sieht die Hörhilfe der Zukunft aus? Und wie kann uns das menschliche Gehirn dabei helfen, effizientere Computer zu bauen? Vom 3. bis zum 5. März 2026, im Rahmen des Workshops „NeuroSensEar – Neuromorphe akustische Sensorik für leistungsfähige Hörgeräte von morgen“, lädt das Institut für Nachrichtentechnik der RWTH Aachen zu drei hochkarätigen öffentlichen Vorträgen in den Hörsaal FT (Melatener Str. 23, 52074 Aachen) ein.

Das Projekt NeuroSensEar“ widmet sich einer der spannendsten Herausforderungen der aktuellen Technik: der Entwicklung neuromorpher akustischer Sensorik. Das Ziel sind leistungsfähige Hörgeräte, die nicht nur besser verstärken, sondern intelligent und energieeffizient wie unser Gehirn agieren.

Mikrochip an einer Pinzette vor einem menschlichen Auge.

IENT

Begleitend zum Workshop geben drei renommierte Professoren unserer Fakultät exklusive Einblicke in ihre Forschung:

Neuromorphic Computing: Energieeffizienz durch biologisch inspirierte Hardware – Dienstag, 03.03.2026 | 17:00 Uhr

Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing. Dr. h.c. Rainer Waser

Die Informationstechnik steht vor einem Paradigmenwechsel: Klassische, algorithmische Datenverarbeitung wird zunehmend durch KI-basierte Ansätze ersetzt. Damit einher geht ein massiv steigender Energiebedarf. Um diesen zu senken, forschen Institute der Fakultät 6 an neuromorphen Systemen, die deutlich effizienter arbeiten als konventionelle Architekturen.

Im kommenden Vortrag präsentiert Prof. Waser die physikalischen Grundlagen redox-basierter memristiver Bauelemente. Der Fokus liegt auf einem interdisziplinären Ansatz zwischen Materialwissenschaften, Elektrotechnik und Informatik, der die Funktionsweise des menschlichen Gehirns als technisches Vorbild nutzt.

Neben der Hardware-Entwicklung werden konkrete KI-Anwendungen sowie deren gesellschaftliche Chancen und Risiken diskutiert. Den Abschluss bildet eine Reflexion über die Frage, ob zukünftige KI-Systeme ein Bewusstsein entwickeln könnten.

Reales Hören im Labor: Hörforschung in interaktiven VR-Umgebungen – Mittwoch, 04.03.2026 | 14:00 Uhr

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Janina Fels

Die Untersuchung auditiver Wahrnehmung und kognitiver Prozesse stützte sich bisher oft auf kontrollierte, aber unrealistisch vereinfachte Laborszenarien. Das Institut für Hörtechnik und Akustik (IHTA) der RWTH Aachen nutzt nun moderne audiovisuelle Virtual Reality (VR), um komplexe Alltagssituationen realitätsnah und interaktiv abzubilden.

Durch diese Technologie können Probanden in Echtzeit mit akustischen Szenen interagieren. Dies ermöglicht die präzise Untersuchung von Gehör und Aufmerksamkeit in akustisch anspruchsvollen Umgebungen wie Großraumbüros oder belebten Außenbereichen. Ein aktueller Forschungsschwerpunkt des IHTA liegt dabei auf der Analyse von Lärmbelastung, Aufmerksamkeit und Höranstrengung in Grundschulklassen.

Der Vortrag beleuchtet, wie VR-Methoden die Brücke zwischen klassischer Hörpsychologie und realen Lebenswelten schlagen. Zudem wird diskutiert, wie interdisziplinäre Ansätze aus Audiologie und virtueller Realität die Zukunft der Hörforschung prägen.

Brillen für die Ohren: Intelligente Kommunikationssysteme der Zukunft – Donnerstag, 05.03.2026 | 09:00 Uhr

Prof. Dr.-Ing. Peter Jax

Smarte Hearables entwickeln sich zunehmend von einfachen Kopfhörern zu intelligenten Mikrocomputern mit integrierter KI. Als „Brillen für die Ohren“ fungieren diese Systeme als persönliche Assistenten in den Bereichen Consumer Audio, Gesundheit und professionelle Kommunikation.

Ein zentrales Potenzial dieser Technologie liegt in der 3D-Telefonie. Durch räumliche Audio-Wiedergabe wird eine intuitive Unterscheidung von Sprechern ermöglicht, was die Immersion und das Präsenzgefühl in digitalen Meetings massiv steigert. Ziel ist eine Kommunikation, die trotz physischer Distanz die Natürlichkeit eines persönlichen Gesprächs erreicht.

Der Vortrag beleuchtet die aktuellen Entwicklungen aus Forschung und Industrie und diskutiert die akustischen sowie technischen Herausforderungen, die bei der Konstruktion solcher innovativen Plattformen bewältigt werden müssen.

60 Jahre Leistungselektronik, elektrische Antriebe und Batteriesysteme

Mit der Gründung des Instituts für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe (ISEA) im Jahr 1965 begann an unserer Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RWTH Aachen eine bis heute prägende Forschungstradition in den Bereichen Leistungselektronik, elektrische Antriebe und elektrochemische Energiespeicher. In einer Zeit, in der die Fakultät selbst noch im Aufbau war, legte das ISEA den Grundstein für eine enge Verbindung von Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.

Aus einem kleinen Team von rund zehn Mitarbeitenden entwickelte sich über sechs Jahrzehnte eines der international sichtbarsten Institute seines Fachgebiets mit heute mehr als 150 Beschäftigten. Seit fast 30 Jahren wird das ISEA von Professor Rik W. De Doncker geleitet, dessen Arbeiten insbesondere die moderne Leistungselektronik maßgeblich beeinflusst haben.

Ein zentrales Forschungsziel des Instituts war von Beginn an die Entwicklung emissionsfreier elektrischer Antriebssysteme. Bereits früh wurden Anwendungen für Schienenfahrzeuge und erste Elektrofahrzeuge untersucht – lange bevor Elektromobilität zum gesellschaftlichen Leitthema wurde. Wesentliche wissenschaftliche Beiträge leistete das ISEA unter anderem zur digitalen Regelung von Drehfeldmaschinen, zur PWM-Raumzeigermodulation sowie zur Weiterentwicklung der geschalteten Reluktanzmaschine (SRM). Mit der im Jahr 2000 vorgestellten Direct Instantaneous Torque Control (DITC) konnte die SRM als robuste, kostengünstige und seltene-Erden-freie Alternative im Antriebsbereich etabliert werden.

Auch in der Leistungselektronik setzte das ISEA nachhaltige Impulse. Besonders hervorzuheben ist die von Professor De Doncker entwickelte Dual Active Bridge, die heute als zentrales Schaltungskonzept in zahlreichen DC/DC-Wandlern Anwendung findet. Die Einsatzfelder reichen von Fahrzeug- und Industrieantrieben über Haushaltsgeräte bis hin zu Energiesystemen für erneuerbare Energien, Batteriespeicher und DC-Netze.

Seit den 1970er-Jahren bildet zudem die Batteriespeicherforschung einen festen Bestandteil der Institutsarbeit. Während zunächst Bleibatterien im Fokus standen, wurde ab der Jahrtausendwende gezielt die Lithium-Ionen-Technologie ausgebaut. Am Standort Rothe Erde entstand das größte universitäre Batterieprüfzentrum Deutschlands, ergänzt durch ein 5-MW-Speichersystem. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen in der Modellierung und Lebensdauerprognose, der Entwicklung von Batteriemanagementsystemen, der industriellen Elektrodenfertigung sowie in KI-gestützten Methoden für Betrieb und Analyse.

Die letzten zwanzig Jahre waren zudem durch eine gezielte strukturelle Weiterentwicklung geprägt: neue Professuren, der Aufbau des E.ON Energy Research Centers (E.ON ERC), der Forschungscampus Flexible Elektrische Netze (FEN) sowie der Neubau des Forschungsgebäudes CARL, das heute den Großteil des ISEA beherbergt. Ergänzt wird das Forschungsumfeld durch das Helmholtz-Institut Münster (HI MS) unter der Leitung von Professor Martin Winter.

Foto: heroal

Mit exzellenter Laborausstattung, über 230 abgeschlossenen Promotionen, mehr als 1000 Abschlussarbeiten und über 2000 wissenschaftlichen Publikationen steht das ISEA beispielhaft für die Forschungsstärke und Nachwuchsförderung unserer Fakultät. Nach 60 Jahren bleibt das Institut ein zentraler Motor für wissenschaftliche Innovation und akademische Ausbildung im Bereich der elektrischen Energietechnik.

Kaffee, Pizza und das Elixier der Untoten

Volle Aula und jede Menge neugierige Schülerinnen und Schüler: Der erste MINT Science Slam an der RWTH Aachen war ein voller Erfolg. Über 30 Schulen aus der Region waren mit ihren Oberstufenklassen vor Ort, um sich beim MINT Science Slam einen unterhaltsamen Einblick in die Vielfalt der MINT-Studiengänge zu verschaffen.

Volles Haus in der RWTH-Aula beim ersten MINT Science Slam.

Daphne Heil und Melih Dal

Das Konzept des Science Slams ist einfach und wirkungsvoll: Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler präsentieren ihr Forschungsthema in maximal zehn Minuten verständlich, kreativ und mit Begeisterung. Im Anschluss bewerteten die Schülerinnen und Schüler die Vorträge selbst. So entstand ein lebendiger Einblick in die Vielfalt von MINT, von Maschinenbau über Biotechnologie bis hin zur Medizin- und Elektrotechnik.

Mit dabei war auch Felix Walger, der in seinem Slam „Maßgeschneiderte Medizin(technik) für alle“ eindrucksvoll zeigte, wie ingenieurwissenschaftliche Forschung konkrete gesellschaftliche und medizinische Anwendungen ermöglicht. Sein Vortrag machte deutlich, welche zentrale Rolle Elektrotechnik bei der Entwicklung moderner, personalisierter Medizintechnik spielt, ein Thema, das bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse stieß.

Neben Walger standen weitere Nachwuchsforschende auf der Bühne, darunter Rosario Othen, der mit seinem Vortrag über Kaffee, Papier und Wissenschaft den Slam gewann, sowie Beiträge zu Themen wie Krebsforschung, Biotechnologie, Mathematik und nachhaltiger Energie. Wissensvermittlung traf auf Unterhaltung.

Der MINT Science Slam wurde erstmals als Kooperationsprojekt des RWTH Knowledge Hub und der Zentralen Studienberatung der RWTH Aachen durchgeführt. Professor Joost-Pieter Katoen, Prorektor für Lehre der RWTH, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der MINT-Fächer als Schlüsseltechnologien für das Verständnis unserer Welt. Moderiert wurde der Slam kurzweilig von Elena und Martin Lichtenthaler, unterstützt von der Campus Dance Crew, die zusätzlich für Begeisterung sorgte.

Der MINT Science Slam machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig niedrigschwellige, inspirierende Formate für die Studienorientierung sind und wie vielfältig, relevant und spannend MINT-Forschung an der RWTH ist. Für die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik war die Teilnahme von Felix Walger ein gelungenes Beispiel dafür, wie Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung wirkungsvoll zusammenkommen.

Resilienz durch Autonomie: Das Stromnetz der Zukunft

Die Energiewende verändert unsere Stromversorgung grundlegend. Während konventionelle Kraftwerke das Netz über Jahrzehnte stabilisiert haben, sorgen volatile Quellen wie Wind und Sonne für völlig neue Herausforderungen. Ereignisse wie der Angriff auf die Stromversorgung in Berlin Anfang 2026 zeigen deutlich: Unsere aktuellen, starr synchronisierten Netze sind verwundbar.

Eine Person arbeitet an einem Stromkreisverteiler

Martin Braun

Ein Forschungsteam unserer Fakultät unter der Leitung von Professor Antonello Monti, Direktor des Instituts für Automation komplexer Stromversorgungssysteme (ACS), hat gemeinsam mit der Aalborg University einen wegweisenden Ansatz in „Nature Reviews Electrical Engineering“ veröffentlicht. Die zentrale Idee: Das Stromnetz sollte nicht länger als eine einzige synchrone Einheit fungieren, sondern dem Vorbild des Internets folgen. Durch die Aufteilung in kleinere, autonome Teilnetze, die asynchron miteinander gekoppelt sind, wird das Gesamtsystem robust gegenüber großflächigen Störungen.

Dieses Konzept bildet die wissenschaftliche Grundlage für das von der RWTH koordinierte Projekt SAFEr Grid (ERC Synergy Grant). Anstatt allein auf massiven Netzausbau zu setzen, nutzt das Team um Professor Monti moderne Leistungselektronik, um Schwankungen flexibel auszugleichen und die Versorgungssicherheit langfristig zu garantieren.

6G-Forschung für die Industrie: Der neue 6GEM+ Transfer Hub

Im Januar 2026 fiel der Startschuss für das Projekt „6GEM+: Wertorientierte 6G-Kommunikationssysteme für die vernetzte digitale Industrie“. Unter der Koordination von Professor Haris Gačanin, Leiter des Lehrstuhls für Verteilte Signalverarbeitung unserer Fakultät, soll die Brücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Anwendung geschlagen werden.

A hand rotates a wooden block from the number 5 to 6 to spell out '6G' next to a Wi-Fi symbol block, symbolizing the transition to the next mobile generation.

RUB, Marquard

Der aktuelle 5G-Standard stößt in der modernen Industrie zunehmend an seine Grenzen, insbesondere wenn es um die Integration von KI-Computing und die notwendige Zuverlässigkeit bei Echtzeitübertragungen geht. Hier setzt 6GEM+ an: Ziel ist es, extrem geringe Latenzzeiten und eine robuste Netzabdeckung zu realisieren, die den Anforderungen einer interaktiven Industrie der Zukunft gerecht werden. Das Vorhaben wird über eine Laufzeit von vier Jahren mit 25 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die enge Verzahnung mit der Praxis. Neben den Partnern der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und den Fraunhofer-Instituten IPT und IML begleiten assoziierte Industriepartner als Use-Case-Mentoren die Entwicklungen. Durch Simulationen und Tests in großskaligen Testfeldern wird sichergestellt, dass Innovationen wie KI-basierte Produktion und hochdynamische Logistikkonzepte unter realen Bedingungen funktionieren.

Prof. Max Lemme als Co-Autor in Nature Photonics

Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik gratuliert Prof. Max Lemme zu einer besonderen wissenschaftlichen Leistung: Als Co-Autor hat er an einer Consensus Statement-Publikation in der renommierten Fachzeitschrift Nature Photonics mitgewirkt. Die Veröffentlichung trägt den Titel „Guidelines for accurate evaluation of photodetectors based on emerging semiconductor technologies“ und setzt wichtige Impulse für die internationale Forschungsgemeinschaft.

Eine Consensus Statement-Publikation fasst den aktuellen Wissensstand eines Fachgebiets zusammen und formuliert Empfehlungen, Standards oder Verfahren, die eine verlässliche und einheitliche wissenschaftliche Praxis fördern. Im vorliegenden Beitrag haben führende Expertinnen und Experten aus Forschung und Industrie erstmals ein umfassendes Rahmenwerk für die präzise Charakterisierung, Dokumentation und Vergleichbarkeit von Photodetektoren auf Basis neuartiger Halbleitermaterialien entwickelt.

Der Bedarf an solchen Leitlinien ist groß: Photodetektoren aus innovativen Materialklassen wie organischen Halbleitern, Perowskiten, Quantenpunkten, zweidimensionalen Materialien, Metalloxiden oder Kohlenstoffnanoröhren haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt. Gleichzeitig erschweren uneinheitliche Messmethoden und Berichtsstandards bislang die Vergleichbarkeit verschiedener Studien und damit die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Feldes.

Die nun veröffentlichten Empfehlungen schaffen ein gemeinsames Fundament für die Community und unterstützen eine transparente, reproduzierbare und vergleichbare Forschungspraxis. Davon profitieren nicht nur akademische Arbeitsgruppen, sondern auch industrielle Entwicklungsprozesse und die Entstehung zukünftiger photonischer Technologien.

Prof. Max Lemme ist nicht nur Inhaber des Lehrstuhls für Elektronische Bauelemente an unserer Fakultät, sondern auch Geschäftsführer der AMO GmbH, deren Forschungsschwerpunkte eng mit den Themen der Publikation verknüpft sind. Die Entwicklung und Integration neuartiger Materialien für optoelektronische Bauelemente zählt dort zu den zentralen Aktivitäten. Die Beteiligung an diesem internationalen Konsenspapier unterstreicht die große wissenschaftliche und technologische Relevanz dieser Arbeiten.

Die AMO GmbH hat die Veröffentlichung ebenfalls in einem eigenen Beitrag hervorgehoben. Weitere Informationen finden sich auf der Website sowie auf LinkedIn.

Visibility für Spitzenforschung: Professor Weihan Li erneut unter den meistzitierten Forschenden

Ein Mann steht mit verschränkten Armen da. Er blickt nach vorne und lächelt.

Professor Weihan Li, Inhaber der Juniorprofessur für „Artificial Intelligence and Digitalization for Batteries”. © David Ausserhofer

Professor Li vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) der RWTH Aachen University wurde erneut in die Liste der weltweit meistzitierten Wissenschaftler, den sogenannten „Highly Cited Researchers”, aufgenommen. Seine Arbeiten im Bereich der KI-gestützten Batterieforschung zählen demnach zu den einflussreichsten Publikationen weltweit.

Die Liste der „Highly Cited Researchers” wird jährlich von Clarivate Analytics veröffentlicht. Sie basiert auf dem Zitationsindex der Web of Science Core Collection und identifiziert Wissenschaftler:innen, deren Publikationen zu den meistzitierten ein Prozent ihres Fachgebiets und Publikationsjahres gehören. Zitationen fungieren in wissenschaftlichen Kontexten als Indikatoren für die Relevanz von Publikationen und werden als Maßstab für die Qualität der Arbeiten betrachtet. Die Sichtbarkeit eines Textes und damit auch die weltweite Wahrnehmung des Autors steigt mit der Häufigkeit seiner Zitierung. In der aktuellen Liste werden 7.131 Forschende aufgeführt, die nach Ansicht der Datenbank zu den einflussreichsten 0,1 Prozent der internationalen Forschungsgemeinschaft zählen.

Batterien stellen eine zentrale Technologie im Rahmen der Energiewende dar. Ihre Leistung ist maßgeblich für die Reichweite, die Sicherheit, die Lebensdauer und die Kosten während ihrer technischen Anwendungen verantwortlich. Professor Li untersucht, inwiefern sich Zustand und Leistungsfähigkeit von Batteriezellen bereits während der Produktion präzise prognostizieren lassen. Seit März 2025 hat er die Juniorprofessur für „Artificial Intelligence and Digitalization for Batteries“ an der RWTH Aachen inne. Seine Nachwuchsgruppe am Center for Ageing, Reliability and Lifetime Prediction of Electrochemical and Power Electronic Systems (CARL) entwickelt datenbasierte Modelle, digitale Zwillinge und automatisierte Diagnoseverfahren.

Das Ziel bestehe darin, der Batterie die Fähigkeit zur digitalen Kommunikation zu vermitteln, die durch Präzision und Echtzeitfähigkeit gekennzeichnet ist – an dieser Zukunft arbeitet Weihan Li.

Dabei wird sein Projekt „SPEED”: Schnelle Charakterisierung der Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Batterien aus der Produktionslinie mit maschinellem Lernen durch eine Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt in Höhe von 1,85 Millionen Euro im Rahmen des Wettbewerbs „BattFutur – Nachwuchsgruppe Batterieforschung” unterstützt.

Professor Li wurde in China geboren, schloss sein Studium der Fahrzeugtechnik an der Tongji University ab und kam 2014 an die RWTH Aachen, um den Master in Elektrotechnik und Informationstechnik und die Promotion  am Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) zu absolvieren. Forschungsaufenthalte führten ihn an das Imperial College London, die University of Oxford und das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Im Jahr 2021 schloss er seine Promotion mit Auszeichnung ab und gründete im darauffolgenden Jahr die Nachwuchsgruppe „Artificial Intelligence for Batteries“, die er auf 13 Doktorandinnen und Doktoranden ausbaute, unterstützt durch Industriekooperationen (ca. 40 % der Drittmittel) und die Infrastruktur des CARL mit über 6.000 Testkreisen, die eine verlässliche Datenbasis für die Modellierung mit KI liefern.

Der Wissenschaftler kann mittlerweile auf eine Reihe von Auszeichnungen und Preisen zurückblicken, darunter der Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung, der zu den höchstdotierten Preisen für Nachwuchswissenschaftler:innen in Deutschland zählt. Seine Publikationen umfassen 53 wissenschaftliche Artikel, zwei Monographien, drei Patente und über 40 betreute Abschlussarbeiten.


Für weiterführende Informationen bezüglich der Forschung sowie des Werdegangs von Professor Weihan Li sei auch auf die Website der RWTH Aachen University verwiesen.

Vier RWTH-Forscher in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften aufgenommen

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, kurz acatech, hat vier Wissenschaftler der RWTH Aachen als neue Mitglieder aufgenommen: Fabian Kießling, Max Lemme, Constantin Häfner und Walter Leitner.

acatech ist die zentrale Stimme der Technikwissenschaften in Deutschland und wird von Bund und Ländern als nationale Akademie gefördert. Sie berät Politik und Gesellschaft unabhängig, faktenbasiert und gemeinwohlorientiert in Fragen der technologischen Zukunftsgestaltung. Ihre Mitglieder stammen aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften, der Medizin sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften. Schirmherr der Akademie ist der Bundespräsident.

Mit der Aufnahme der vier neuen Mitglieder sind nun insgesamt 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der RWTH Aachen Teil der acatech. Aus der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik gehören neben Professor Max Lemme bereits Professor Rainer Waser, Professor Dirk Uwe Sauer, Professor Jürgen Roßmann, Professor Rik W. de Doncker und Professor Steffen Leonhardt der Akademie an.

Max Lemme: Forschung an der Elektronik der Zukunft

© Martin Braun

Professor Max Lemme ist Inhaber des Lehrstuhls für Elektronische Bauelemente an der RWTH Aachen und Geschäftsführer der AMO GmbH. Seine Forschung konzentriert sich auf neuartige elektronische und optoelektronische Bauelemente, die auf zweidimensionalen Materialien wie Graphen basieren. Ziel ist es, diese Materialien in zukünftige Mikro- und Nanoelektronik, Sensorik und neuromorphe Rechnersysteme zu integrieren. Zudem ist Lemme Sprecher des Zukunftsclusters NeuroSys.

Neben ihm wurden drei weitere herausragende Forscher der RWTH Aachen in die acatech aufgenommen: Professor Fabian Kießling, Direktor des Helmholtz Instituts für Biomedizinische Technik und Pionier der molekularen Bildgebung, Professor Constantin Häfner, Vorstand für Forschung und Transfer der Fraunhofer-Gesellschaft und Experte für Hochleistungslaser, und Professor Walter Leitner, Lehrstuhlinhaber für Technische Chemie und Petrolchemie sowie Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion.

Die Aufnahme würdigt ihre wissenschaftlichen Leistungen und ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der Technikwissenschaften in Deutschland.