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Elektrotechnik und Informationstechnik

Schlagwort: ‘ERC’

An der Schnittstelle von Medizin und Ingenieurwissenschaft: Neue Technologien für die Implantationsforschung

17. Februar 2026 | von
Nahaufnahme eines Mikroskops mit Objektträger.

© Martin Braun

Im Rahmen eines Online-Seminars referiert Dr. Madhuri Salker über ihre aktuelle Forschung, bei der sie sich mit der Untersuchung von Implantationen beim Menschen und Schwangerschaftsverlusten befasst. Zu diesem Zweck nutzt sie rekonstruierte Assembloide, multimodale Einzelzellsequenzierung und die Entwicklung von Nanosensoren.

Dr. Madhuri Salker erforscht die molekularen und immunologischen Prozesse der frühen Schwangerschaft. Der Forscherin vom Universitätsklinikum Tübingen und Assistenzprofessorin an der University of British Columbia wurde kürzlich eine hochdotierte Projektförderung in Form eines European Research Council Consolidator Grants zugesichert. In ihrem Projekt babyRADAR möchte sie mithilfe modernster Technologien die Entscheidungsprozesse des Endometriums während der Implantation besser verstehen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Interaktion von Steroidhormonen, Immunzellen und Gewebedynamik – Prozesse, die sich durch nanoskalige Sensorsysteme erstmals in Echtzeit quantifizieren lassen können.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags stehen rekonstruierte Assembloide – dreidimensionale Gewebemodelle des Endometriums –, multimodale Einzelzellsequenzierung sowie die Entwicklung hochsensitiver Nanosensoren. Mithilfe dieser Ansätze ist es möglich, die Kommunikation zwischen mütterlichem Gewebe und Embryo präzise zu analysieren und molekulare Fehlregulationen zu identifizieren, die zu Implantationsversagen oder Fehlgeburten führen können.

„Wenn wir verstehen, warum die Einnistung fehlschlägt, können wir neue Diagnoseverfahren entwickeln, Fruchtbarkeitsbehandlungen verbessern und betroffenen Familien neue Hoffnung geben,“ erklärt Madhuri Salker.

Eine besondere Rolle spielen dabei integrierte MEMS-Geräte (Micro-Electro-Mechanical Systems). Diese miniaturisierten, sensorintegrierten Mikrosysteme ermöglichen die präzise Steuerung mikrofluidischer Umgebungen sowie die Echtzeitüberwachung biochemischer und mechanischer Prozesse auf Zellebene. Dadurch lassen sich sowohl Zellkräfte als auch dynamische Signal- und Stoffwechselvorgänge kontinuierlich und hochauflösend erfassen.

Gerade hier ergeben sich klare Anknüpfungspunkte zur Forschung an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik: Das von Professor Sven Ingebrandt geleitete Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik 1 (IWE1) legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Entwicklung von Mikro- und Nanosystemen für die Biotechnologie und die biomedizinische Diagnostik. Zu den zentralen Kompetenzen zählen die Kopplung biologischer Systeme – etwa lebender Zellen, Membranen oder Proteine – mit technischen Systemen, um neuartige Sensoren, mikrofluidische Systeme und intelligente Implantate zu realisieren.

Diese technologische Expertise bildet eine direkte Schnittstelle zur Forschung von Madhuri Salker. Für ihre implantationsbiologischen Untersuchungen ist sie auf integrierte MEMS-Bauelemente angewiesen. Die Verbindung von reproduktionsmedizinischer Grundlagenforschung und mikro- sowie nanosystemtechnischer Entwicklung eröffnet somit neue Möglichkeiten für interdisziplinäre Kooperationen zwischen Medizin und Ingenieurwissenschaften. Der Vortrag findet vor dem Hintergrund möglicher technologischer Kooperationen zwischen Professor Sven Ingebrandt und Dr. Madhuri Salker statt. Im Zentrum steht die Frage, wie mikro- und nanosystemtechnische Entwicklungen die biomedizinische Forschung unterstützen können.


Teilnahme: Am Dienstag, den 24. Februar 2026, findet die Veranstaltung online via Zoom statt und beginnt um 17:00 Uhr, wobei sie bis 18:30 Uhr andauert.
Meeting-ID: 644 5259 3117
Kenncode: 985261

Humboldt-Stipendiatin am E.ON Energy Research Center

13. Juni 2025 | von
Portraitbild einer Frau im Freien.

Dr. Ameze Big-Alabo von der University of Port Harcourt in Nigeria forscht am Lehrstuhl Automation of Complex Power Systems der RWTH Aachen. © Judith Peschges

Die Elektrotechnikerin Ameze Big-Alabo verstärkt ab April 2025 im Rahmen eines Humboldt-Stipendiums das internationale Forschungsteam um Professor Antonello Monti im Fachbereich Mikrogrids.

Im Rahmen des Henriette Herz-Scouting-Programms der Humboldt-Stiftung setzte sich Professor Antonello Monti, Leiter des Instituts und Inhaber des Lehrstuhls Automation of Complex Power Systems (ACS), erfolgreich dafür ein, die Wissenschaftlerin für das E.ON Energy Research Center zu gewinnen. Ameze Big-Alabo, eine international erfahrene Forscherin, wechselte daraufhin von der University of Port Harcourt in Nigeria an die RWTH Aachen University.

Sie ist auf Windkraftanlagen, Solarpaneele und die Kombination beider Technologien in lokalen Energienetzen spezialisiert und verfolgt das Ziel, sogenannte Mikrogrids noch effizienter, robuster und nachhaltiger zu machen. Mikrogrids sind kleine lokale Energienetzwerke, die sowohl vom allgemeinen Stromnetz getrennt als auch mit diesem verbunden betrieben werden können. Für die Weiterentwicklung dieser Systeme sind komplexe Entwürfe und mathematische Modellierungen erforderlich, die reale Mikronetze abbilden. Dazu gehören Optimierung, Energiemanagement und Fehlererkennung.

„ Mein Forschungsgebiet passt hervorragend zu den Schwerpunkten des Instituts in Aachen. Ich komme gut voran und bisher läuft alles nach Plan“, lautet die erste Bilanz der Wissenschaftlerin.

Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit sind computergestützte Simulationen. Dabei analysiert sie, wie sich unterschiedliche Energiequellen optimal kombinieren lassen. Bei der Modellierung von Solarpaneelen berücksichtigt sie zahlreiche Faktoren, darunter Sonnenintensität, Außentemperatur, geografische Lage und Paneelgröße. Im Anschluss an die Simulationen erfolgen experimentelle Tests. Neben der intensiven Arbeit am Computer ist ihr der persönliche Austausch im Forschungsteam wichtig.

„Ich schätze die internationale Gemeinschaft, die hier herrscht. Es arbeiten viele Menschen unterschiedlicher Herkunft am Institut und mit allen verstehe ich mich gut“, sagt die Forscherin. 

Ameze Big-Alabo kann auf umfangreiche internationale Erfahrung zurückblicken: Sie erwarb ihren Bachelor- und Masterabschluss in Elektrotechnik in Nigeria und erhielt anschließend ein Stipendium für ein Masterstudium im Fach Advanced Control Systems Engineering an der University of Manchester. Dort gewann sie den Neil Munro Prize für die beste Masterarbeit in ihrem Fachgebiet. Es folgte ein weiteres Stipendium für die Promotion an der University of Glasgow in Schottland.

Auch über das Ende ihres Forschungsaufenthalts im April 2026 hinaus erhofft sich die Wissenschaftlerin eine dauerhafte Zusammenarbeit mit der RWTH. Nach ihrer Rückkehr wird sie ihre Lehrtätigkeit in Nigeria wieder aufnehmen. Ihr langfristiges Ziel ist es, zur Verbesserung der Energieversorgung in ihrem Heimatland beizutragen.

„Energieerzeugung ist eine der größten Herausforderungen bei uns. Mit dem Wissen, das ich bei meinen Forschungsaufenthalten gewinne, will ich eine nachhaltige Entwicklung anstoßen“, erklärt Ameze Big-Alabo. 

Das Humboldt-Forschungsstipendium richtet sich an promovierte und überdurchschnittlich qualifizierte Forschende aus der ganzen Welt und allen Fachrichtungen. Es ermöglicht in verschiedenen Stadien der wissenschaftlichen Laufbahn, persönliche Forschungsvorhaben in Kooperation mit Gastgeber:innen einer Forschungseinrichtung in Deutschland durchzuführen. Das monatliche Stipendium beträgt 3.200 Euro zzgl. Nebenleistungen. Es kann für eine Dauer zwischen sechs und 18 Monaten beantragt werden und ist auf bis zu drei Aufenthalte innerhalb von drei Jahren aufteilbar.

Das Henriette Herz-Scouting-Programm ermöglicht es namhaften und gut vernetzten Wissenschaftler:innen, ihr Team um exzellente Humboldt-Forschungsstipendiat:innen zu erweitern. Bei der Nominierung der Stipendiat:innen werden individuelle Lebens- und Bildungswege – auch und gerade hinsichtlich Chancengerechtigkeit und Barrierefreiheit – berücksichtigt.


Hier finden Sie weitere Informationen zum Humboldt-Forschungsstipendium sowie zum Henriette Herz-Scouting-Programm.