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Logbuch Lehre

Professionelle Hochschuldidaktik?! ExAcT blickt auf die dghd2019 zurück

27. März 2019 | von

„Intensiv, interaktiv, interessant“ – so der zeichenbegrenzte, kurze Rückblick von ExAcT via Twitter auf die dghd2019, die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik, die Anfang März 2019 in Leipzig stattfand. Doch genauso reichhaltig wie das kuchenüberladende Snack-Buffet waren auch das Programm und der Austausch vor Ort. Deshalb sollen die drei Adjektive an dieser Stelle doch noch etwas ergänzt werden.

„Ich glaub, dieses Jahr verzichte ich mal auf die dghd“ war im Vorfeld der Leipziger Tagung von einigen „alten Hasen“ der Hochschuldidaktik zu hören. Als „junger Hase“ stand für mich jedoch fest, mir meine erste dghd nicht entgehen zu lassen. Nichtsdestotrotz kam ich nicht umhin, mich im Vorfeld zu fragen, wie groß der Mehrwert für mich wohl sein würde. Eine Frage, die sich recht schnell als überflüssig herausstellte. Dazu ein paar der Denkanstöße, die ich mitgenommen habe:

Professionalisierung: Ein oft gehörtes Stichwort, das sich so oder so ähnlich durch fast alle Themenfelder, Keynotes und Diskussionen zog. Denn die Hochschuldidaktik überzeugt in der Breite durch ihre Professionalität. Wie man unter anderem auf dieser Tagung sehen konnte: Netzwerke werden gebildet, Qualitätsstandards entwickelt, Wirkung unter Beachtung wissenschaftlicher Güte untersucht und inspirierend nach außen getragen. Eine Menge wichtiger Impulse für meine eigene Arbeit konnte ich deshalb mit nach Hause nehmen: So zum Beispiel ein neues Kompetenzentwicklungsmodell (KAPiert der TUM), das die unterschiedlichen Entwicklungsstufen von Lehrenden in vier grandios gezeichneten Comicdozenten widerspiegelt. Oder die Hausaufgabe, die eigenen Seminarinhalte nochmals auf Neuro- oder Lernmythen zu untersuchen (Hiltraut Paridon der SRH Hochschule für Gesundheit sowie Stefan Müller der Westsächsischen Hochschule Zwickau). Denn nein, die Studierenden lassen sich nicht einfach so in visuelle, auditive oder haptische Lerner einteilen, das ist tatsächlich ein sich hartnäckig haltender Mythos. Und besonders viele Impulse konnte ich zu meinem eigenen Promotionsthema, dem Coaching in der Hochschuldidaktik mitnehmen, ein Bereich, der sich erfreulicherweise auch zunehmend professionalisiert.

Die Professionalität der Hochschuldidaktik konnte aber auch noch in einer anderen Tatsache beobachtet werden, und zwar der Anwendung eines der wirksamsten Mittel zur eigenen Professionalisierung – der Selbstreflexion. So zum Beispiel in der offen während einer Plenumssitzung gestellten Frage „Machen wir unseren Job denn überhaupt gut?“ Zudem ist es ermutigend, zu erfahren, an wie vielen Unis oder FHs die Hochschuldidaktik schon in das Qualitätsmanagement eingebunden ist, und Lehre somit neben der Forschung den Stellenwert erhält, den sie verdient. Auf der anderen Seite überrascht die geringe Anzahl hochschuldidaktischer Professuren nach wie vor. Ein so lebendiges Feld wie die Hochschullehre sollte nicht nur durch guten didaktischen Service unterstützt, sondern auch durch hochwertige Forschung, welche professorales Gewicht hat, mitgestaltet werden. In meinen Augen kann eine „Regeneration Hochschullehre“, wie die dghd2019 titelte, nämlich nur dann gut erfolgen.

Qualitätspakt Lehre: Keine zwei Jahre vor Ende des Auslaufens der großen Förderung im Qualitätspakt Lehre (QPL), welcher die deutsche Hochschuldidaktik neu geformt hat, kommt man an der großen Frage, wie es weitergeht, natürlich nicht vorbei. Dass diese Tatsache deshalb so gut wie alle Plenumssitzungen unterschwellig oder offen bestimmt, ist klar. Dass auch Staatsministerin Eva-Maria Stange an dieser Stelle keine bahnbrechenden Neuigkeiten verkünden kann, ist ebenfalls klar. Immerhin hilft es ein wenig zu wissen, dass hier viele im gleichen Boot sitzen. Die Situation für die Unis, Lehrenden und Studierenden sowie für etliche großartig ausgebildete HochschuldidaktikerInnen im Januar 2021 macht das selbstverständlich kaum besser. Hier bleibt nichts Anderes zu sagen, als zu wiederholen, wie sehr der nationalen Bildungslandschaft und der deutschen Politik baldige Entscheidungen zu wünschen sind.

Übrigens: Professionell war auch die Tagung selbst organisiert (die wohl bisher größte dgdh mit über 600 TeilnehmerInnen), weshalb hier ein großes Lob an das dghd-Orgateam, das Team vom HD Sachsen und die Uni Leipzig fällig ist und die Vorfreude auf nächstes Jahr dghd2020 in Berlin umso größer ist!

Es twitterte und schrieb für Sie zur dghd: Freya Willicks (freya.willicks@exact.rwth-aachen.de), Mitarbeiterin und Promovierende im Projekt „ExAcT – Excellent Academic Teaching“ (https://exact.rwth-aachen.de/) am Center für Lehr- und Lernservices (CLS) der RWTH Aachen.

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