Kategorie: ‘Auszeichnungen’
Wie ein deutsches Start-up das nächste Tech-Epizentrum formt

Applaus für die Preisträger: RWTH-Rektor Professor Ulrich Rüdiger, Ministerin Ina Brandes, Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons, Sebastian Schall, Dr. Daniel Schall, Professor Max Lemme und vdi-Präsident Professor Lutz Eckstein (v.l.) © Andreas Herrmann
Für ihre Forschungsarbeit an der integrierten Graphen-Photonik und den Aufbau ihres Start-ups Black Semiconductor wurden Daniel und Sebastian Schall mit dem diesjährigen Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet. Die Geschichte der beiden Brüder zeigt, wie eng Wissenschaft und Unternehmertum in Aachen miteinander verbunden sind.
Der historische Krönungssaal des Aachener Rathauses verwandelte sich am 5. September 2026 in eine Bühne für die Zukunft der globalen Mikroelektronik. Zum zwölften Mal wurde der renommierte Aachener Ingenieurpreis verliehen – doch dieses Mal mit einem Novum: Erstmals ging die Auszeichnung an ein Duo. Daniel und Sebastian Schall, Gründer des Start-ups Black Semiconductor, nahmen den Preis gemeinsam entgegen und machten zugleich eindrucksvoll deutlich, dass technologische Quantensprünge immer zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille erfordern: Während ein Bruder, Dr. Daniel Schall, als wissenschaftlicher Vordenker den technologischen Erfindergeist verkörpert, bringt der andere Bruder, Sebastian Schall, als kaufmännischer Stratege die nötige Tatkraft ein, um aus einer komplexen Labor-Idee ein skalierbares Unternehmen zu formen.
Was ihre Aufgabenbereiche nicht über das Preisträger-Team verraten, bringt Laudator Professor Max Lemme, Leiter des Lehrstuhls für Elektronische Bauelemente an der RWTH Aachen und Geschäftsführer der AMO GmbH, auf den Punkt:
„Sie sind geerdet, ihnen ist nicht der Radar dafür abhanden gekommen, was uns Menschen ausmacht.“
Aus diesem stabilen Fundament heraus richten sie ihren Blick nach vorne und entwickeln Lösungen für Probleme, an denen bewährte Systeme scheitern: Während die Anforderungen durch datenintensive Softwarearchitekturen und KI-Modelle kontinuierlich steigen, nähert sich die Skalierung konventioneller Halbleiterhardware ihren physikalischen Grenzen. Nach dem Motto „More than Moore“ setzen die Schall-Brüder auf einen Paradigmenwechsel in der Halbleiterindustrie, der diesen technologischen Engpass zu überwinden sucht: von der bloßen geometrischen Verkleinerung hin zu einer funktionalen Diversifizierung. Anstatt die Leistungssteigerung ausschließlich über die Dichte der Schaltkreise zu erzwingen, werden neue Technologien und komplementäre Materialien direkt in den Chip integriert.
Als Schlüsseltechnologie ist die integrierte Photonik bereits heute Realität. Der Prozessor rechnet dabei wie gewohnt elektrisch. Die Datenübertragung erfolgt allerdings per Laser über integrierte, optische Wellenleiter in Lichtgeschwindigkeit. Diese Architektur eliminiert den elektrischen Widerstand auf den Kommunikationspfaden vollständig. Während bei der aktuellen „Insel-Lösung“ die Daten vom elektrischen Hauptprozessor einige Bruchteile eines Millimeters als Strom zum photonischen Nachbarchip wandern müssen, um dort in Lichtsignale umgewandelt zu werden, wird diese „Brücke“ in einer 3D-Chiparchitektur vertikal durchlaufen: Hierbei wird der Raum mithilfe modernster Verpackungsverfahren dreidimensional genutzt, um die Wege zwischen elektrischen Rechenchips und photonischen Bauelementen maximal zu verkürzen.
Die direkte, optische Signalumwandlung auf Chip-Level ist nun Black Semiconductor gelungen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei das zweidimensionale Kohlenstoffgitter Graphen ein. Das Material gilt wegen seiner spezifischen, physikalischen Extremwerte als Schlüsselkomponente für künftige Halbleiterarchitekturen. Aufgrund der einlagigen, hexagonalen Atomstruktur bewegen sich Elektronen darin nahezu ohne Widerstand, was Graphen eine extreme Ladungsträgerbeweglichkeit verleiht. Hinzu kommen eine hervorragende thermische Leitfähigkeit sowie eine breitbandige, optische Absorption. Doch in der Praxis scheiterte der großflächige Einsatz bisher an einer entscheidenden Hürde: Das atomar dünne Material ließ sich nicht fehlerfrei und reproduzierbar in industrielle Fertigungsprozesse integrieren.
Genau diesen verfahrenstechnischen Brückenschlag schafft das Aachener Start-up nun und ermöglicht so eine echte monolithische Integration der Photonik. Die Graphen-Strukturen werden direkt im regulären CMOS-Herstellungsprozess auf den bestehenden Wafer aufgebracht. Durch ihre Schnittstellenfunktion ermöglichen sie logische Rechenoperationen und Signalwandlung auf ein und demselben physischen Chip. Das erklärte Ziel des Start-ups ist es, Tausende von Halbleitern so zu koppeln, als wären sie ein einziges Bauteil.
Bei den bisherigen Lösungsansätzen der integrierten Photonik müssen die Datensignale die elektronische Logikebene verlassen und über physische, metallische Übergänge oder vertikale Mikrosäulen zum photonischen Chiplet wandern. Obwohl diese Strecken kurz sind, entstehen an den metallischen Grenzflächen signifikante Verluste. Diese fehleranfälligen Verbindungen sowie die Notwendigkeit nachträglicher mechanischer Montageverfahren bei der Herstellung entfallen künftig.
„Ihre Lösung ist nichts anderes als eine Revolution“, sagte Professor Max Lemme bei der Verleihung des Aachener Ingenieurpreises. „Halbleiter sind das Gehirn der KI, eine strategische Technologie und kein nice-to-have.“
Dass diese Entwicklung in Aachen und nicht im Silicon Valley initiiert wurde, verdeutlicht die enge Verknüpfung zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und anwendungsorientiertem Unternehmertum im Umfeld der RWTH Aachen. Die technologische Basis für das Spin-off entstand in den Laboren der Forschungseinrichtung AMO GmbH, die eng mit unserer Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik verzahnt ist und von Professor Max Lemme geleitet wird. Während seiner Promotion fand Dr. Daniel Schall hier die spezialisierte Reinrauminfrastruktur und den wissenschaftlichen Freiraum, um die Grundlagen der integrierten Graphen-Photonik experimentell zu validieren. Das Aachener Ökosystem fungiert hierbei als gezielter Nährboden, in dem exzellente Grundlagenforschung und die Translation in marktfähige Unternehmensstrukturen Hand in Hand gehen:
„Wir hatten immer den Plan zu gründen, als wir genug über die Physik wie auch die Technologie wussten und davon ausgehen konnten, dass die offenen Probleme in einer Volumenfertigung mit besten Anlagen lösbar sein müssten, sind wir nur den entscheidenden Schritt aus dem Labor in die Produktion gegangen.“

Modulare Reinraumanlage innerhalb der neuen FabONE-Produktionshalle in Aachen-Rothe Erde © Heike Lachmann
Diese strategische Standortwahl ebnet den Weg für die ambitionierte Weiterentwicklung des Unternehmens: Mit Förderungen und Investitionen von über 254 Millionen Euro treibt das Start-up seine Expansion massiv voran. In der 15.000 Quadratmeter großen Produktionsstätte „FabONE” im Aachener Stadtteil Rothe Erde sind inzwischen rund 167 internationale Fachkräfte beschäftigt. Ihr klares Ziel ist es, die innovative Graphen-Chip-Fertigung aus dem Labor in die industrielle Massenproduktion zu überführen. Über den regionalen Erfolg hinaus besitzt dieses Vorhaben eine erhebliche geopolitische Relevanz. In einer Phase, in der globale Lieferketten für Halbleiter technologischen und politischen Interdependenzen unterliegen, sichert die Etablierung einer solchen Schlüsseltechnologie in Deutschland und damit in der Europäischen Union ein Stück technologischer Souveränität.
„Black Semiconductor stärkt den europäischen Halbleiterstandort durch seine enge Zusammenarbeit mit der Forschung und seine industrielle Ausrichtung nachhaltig. Das Unternehmen verkörpert somit in besonderer Weise innovationsgetriebene Ingenieurleistung, die strategische Bedeutung für Zukunftstechnologien hat“, erklärt der Rektor der RWTH, Professor Ulrich Rüdiger
Es ist genau diese Kombination aus ingenieurwissenschaftlicher Pionierarbeit und strategischer Tragweite, die die Grundlage für die Verleihung des Preises bildet. Der Aachener Ingenieurpreis, der seit 2014 gemeinsam von der RWTH Aachen und der Stadt Aachen vergeben wird, zeichnet Persönlichkeiten aus, die das Ingenieurwesen nachhaltig prägen. Die Preisskulptur „Kreuzende Ellipsen“ wird vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) als maßgeblichem Partner der Auszeichnung gestiftet. Mit dem Gewinn reihen sich die Brüder Schall in eine Riege namhafter Preisträger:innen wie die Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier oder der Technologie-Pionier Sebastian Thrun ein und setzen zugleich ein unübersehbares Signal für die Innovationskraft der Aachener Elektrotechnik.
Der Durchbruch der Graphen-Photonik in Aachen ist erst der Anfang einer weitaus größeren Entwicklung: Um strategische technologische Autonomie zu erlangen, investiert die Europäische Union auch in vielen weiteren Schlüsselbranchen in Graphen und andere zweidimensionale Materialien.
Die nächste Generation Computerchips ist „Made in Aachen“

Black Simiconduktor, v.l.: Sebastian Schall, Dr.Daniel Schall
Der Aachener Ingenieurpreis 2026 geht an die Black Semiconductor-Gründer Dr. Daniel Schall und Sebastian Schall – Ein Meilenstein für die Mikroelektronik aus der Region.
Die nächste Generation von Computerchips wird maßgeblich in Aachen geprägt. Wir freuen uns sehr, dass der diesjährige Aachener Ingenieurpreis an zwei Visionäre verliehen wird, deren Weg eng mit der exzellenten Forschung an unserer Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik verbunden ist: Dr.-Ing. Daniel Schall und Sebastian Schall, Gründer des Start-ups Black Semiconductor.
Die technologische Grundlage für diesen Erfolg bildet eine bahnbrechende Innovation in der Graphen-Photonik. Während konventionelle Halbleiterarchitekturen durch Hitzeentwicklung und begrenzte Bandbreiten bei der Datenübertragung zunehmend an ihre Grenzen stoßen, setzen die Schalls auf einen neuen Ansatz: Anstatt Daten ausschließlich über elektrische Leiterbahnen zu schicken, ermöglichen sie auf dem Chip eine direkte Umwandlung in optische Signale. Durch die Integration von Graphen, einem Material mit herausragenden physikalischen Eigenschaften, gelingt es, elektrische und optische Funktionen direkt auf einem Wafer zu vereinen.
„Dieser innovative Ansatz adressiert zentrale Leistungs- und Effizienzgrenzen bestehender Halbleiterarchitekturen und trägt entscheidend zur nächsten Generation von Hochleistungs- und KI-Systemen bei“, betont der Beirat des Aachener Ingenieurpreises in seiner Begründung.
Für unsere Fakultät ist diese Entwicklung ein herausragendes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Grundlagenarbeit in industrielle Souveränität übersetzt wird. Dr.-Ing. Daniel Schall, selbst promovierter Mikrosystemtechniker mit starkem Bezug zur Aachener Forschungslandschaft, legte während seiner Zeit am Forschungsinstitut AMO GmbH den Grundstein für diese Technologie. Der erfolgreiche Transfer aus der Forschung in ein Unternehmen, das heute über 130 Mitarbeitende beschäftigt, zeigt eindrucksvoll den Mehrwert der engen Verzahnung zwischen RWTH-Lehre und angewandter Forschung.
Inzwischen baut Black Semiconductor im Aachener Stadtteil Rothe Erde mit der „FabONE“ eine 15.000 Quadratmeter große Produktionsstätte auf, um Graphen-Chips in industriell relevantem Maßstab zu fertigen. Dieses Projekt stärkt nicht nur die europäische Halbleiterindustrie im Wettbewerb mit globalen Akteuren, sondern unterstreicht auch Aachens Rolle als Innovationshub für Zukunftstechnologien. Dabei setzen die Gründer konsequent auf CMOS-Kompatibilität, wodurch sich ihre Innovation nahtlos in bestehende industrielle Fertigungsprozesse integrieren lässt.
„Black Semiconductor stärkt den europäischen Halbleiterstandort durch seine enge Zusammenarbeit mit der Forschung und seine industrielle Ausrichtung nachhaltig. Das Unternehmen verkörpert somit in besonderer Weise innovationsgetriebene Ingenieurleistung“, erklärt Rektor Professor Ulrich Rüdiger. Auch die Stadt Aachen unterstreicht durch Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons die strategische Bedeutung: „Wir sind stolz, dass dieses Zukunftsunternehmen bewusst auf Aachen setzt.“
Die feierliche Verleihung des Aachener Ingenieurpreises findet am 5. September 2026 um 19 Uhr im Krönungssaal des Rathauses statt. Die Auszeichnung, gestiftet vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI), ehrt jährlich Persönlichkeiten, die das Ingenieurwesen maßgeblich vorangebracht haben.

Modulare Reinraumanlage innerhalb der neuen FabONE-Produktionshalle.
Verleihung der apl. Professur an PD Dr. Marian Walter

PD Dr.-Ing. Marian Walter wurde offiziell die Urkunde zur Verleihung der Bezeichnung „außerplanmäßiger Professor“ (apl. Prof.) überreicht. Diese Ernennung durch die Fakultät erfolgt als Anerkennung seiner langjährigen und kontinuierlichen Leistungen in der akademischen Lehre sowie seiner wissenschaftlichen Profilbildung in der Medizintechnik.
Die Verleihung einer außerplanmäßigen Professur ist an strikte wissenschaftliche Kriterien gebunden. Voraussetzung ist die Habilitation, mit der die Lehrbefähigung (Venia Legendi) bereits nachgewiesen wurde. Der Titel wird an Wissenschaftler vergeben, die über die Habilitation hinaus in Forschung und Lehre hervorragende Ergebnisse erzielt haben. Im akademischen System übernimmt ein apl. Professor Aufgaben in der eigenständigen Vertretung seines Fachgebiets, der Betreuung von Promovenden sowie in der Akquise und Leitung von Drittmittelprojekten.
Dr.-Ing. Marian Walter ist seit vielen Jahren am Lehrstuhl für Medizinische Informationstechnik (MedIT) des Helmholtz-Instituts für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen tätig. Nach seiner Promotion im Bereich der automatisierten Lungenventilation festigte er seine Expertise an der Schnittstelle zwischen Elektrotechnik und klinischer Anwendung.
Neben seiner Forschungstätigkeit ist Marian Walter maßgeblich an der Ausbildung von Studierenden der Elektrotechnik, Informationstechnik und Biomedizinischen Technik beteiligt. Seine Lehre zeichnet sich durch die methodische Vermittlung systemtheoretischer Grundlagen und deren Transfer in die medizinische Praxis aus. Die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor unterstreicht die personelle Exzellenz am Lehrstuhl MedIT und sichert die hohe Qualität der wissenschaftlichen Ausbildung an der RWTH Aachen im Bereich der Medical Information Technology.
Die Fakultät und das Institut gratulieren Prof. Dr.-Ing. Marian Walter zu dieser akademischen Anerkennung und freuen sich auf die Fortführung der erfolgreichen Zusammenarbeit.

RWTH verbessert sich deutlich im „QS Ranking by Subject“
Die RWTH Aachen erzielt im aktuellen „QS Ranking by Subject“ in mehreren für die Fakultät zentralen Disziplinen deutliche Verbesserungen. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung in der Elektrotechnik, die sich von Rang 69 auf Platz 53 steigert und damit im internationalen Vergleich sichtbar aufholt. Auch das Chemieingenieurwesen erreicht nun Rang 53 und verbessert sich damit ebenfalls deutlich.

Bild: Andreas Schmitter
In den Ingenieurwissenschaften insgesamt rückt die RWTH um zwölf Plätze vor und belegt weltweit Rang 53. Einzelne Fachbereiche erzielen dabei besonders starke Ergebnisse: „Mechanical, Aeronautical and Manufacturing Engineering“ erreicht Platz 25, „Mineral and Mining Engineering“ liegt auf Rang 39. Das Bauingenieurwesen bleibt weiterhin unter den Top 100 vertreten.
Auch in den Naturwissenschaften zeigt sich eine positive Entwicklung. Die RWTH verbessert sich hier von Rang 86 auf Platz 69. Die Mathematik macht mit einem Sprung um 32 Plätze auf Rang 135 eine der größten Verbesserungen. Die Materialwissenschaften erreichen nach einer Steigerung um 10 Plätze Rang 29. In Chemie und Physik gehört die RWTH erneut zu den 100 besten Hochschulen weltweit.
Das „QS Ranking by Subject“ wird vom britischen Informationsdienstleister Quacquarelli Symonds erstellt und zählt zu den bedeutendsten internationalen Hochschulrankings. Die Bewertung basiert unter anderem auf der Reputation bei Akademikern und Arbeitgebern sowie auf der wissenschaftlichen Publikationsleistung.
Preis für „Labs on Tour“
Das Projekt „Labs on Tour“ der RWTH Aachen ist mit dem „LeLa-Preis“ in der Rubrik „Mobile Angebote“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet worden. Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 und bringt Angebote der RWTH Schülerlabore direkt an Schulen. Ziel ist es, Einblicke in Themen aus den Bereichen Elektrotechnik, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu ermöglichen.
Der Preis wird vom „Lernort Labor – Bundesverband der Schülerlabore e.V.“ in vier Rubriken vergeben und würdigt „herausragende Leistungen von Schülerlaboren und Netzwerken“. Im Rahmen der Jahrestagung in Osnabrück nahm Maria Hinkelmann, Koordinatorin von „Labs on Tour“ an der RWTH Aachen, die von der Dr. Hans Riegel-Stiftung gestiftete Auszeichnung entgegen. Mit dem Preis ist ein Preisgeld von 2.000 Euro verbunden. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung und das Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro. Die Anerkennung bestärkt uns darin, das Projekt weiter auszubauen und so hoffentlich noch mehr Schülerinnen und Schüler für MINT-Themen zu begeistern“, sagt Maria Hinkelmann. Sie arbeitet in der Arbeitsgruppe von Professorin Heidrun Heinke in der Fachgruppe Physik der RWTH Aachen.
„Labs on Tour“ wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Verbundvorhabens „MINTplus“ entwickelt. Seit 2022 arbeiten hier die RWTH Aachen, die Städteregion Aachen und die Vereinigten Unternehmerverbände Aachen zusammen, um MINT Themen niedrigschwellig erlebbar zu machen, Neugier zu wecken und mögliche Hemmschwellen gegenüber naturwissenschaftlichen Fächern abzubauen.
Die Besonderheit von „Labs on Tour“ liegt im mobilen Konzept. Drei Angebote der Lernlabore kommen an jeweils vier Terminen für 90 Minuten an die Schulen. Dort nehmen Schülerinnen und Schüler über ein ganzes Schulhalbjahr hinweg in eigenen MINT Arbeitsgemeinschaften teil.
Aktuell kooperiert die RWTH Aachen mit zwölf weiterführenden Schulen in Aachen und der Städteregion. Rund 250 Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 nehmen jedes Jahr teil und beschäftigen sich insgesamt 18 Stunden mit unterschiedlichen MINT Themen. Sie programmieren beispielsweise Roboter, basteln Taschenwärmer oder löten Schlüsselanhänger.

Schüler:in beim Löten im Rahmen von Labs on Tours
Im vergangenen Jahr fand erstmals eine Abschlussveranstaltung des Jahrgangs an der RWTH Aachen statt. Schülerinnen und Schüler wurden zusammen mit ihren Familien auf den Campus eingeladen. Neben der Urkundenverleihung konnten sie verschiedene Lernlabore kennenlernen und an Mitmachangeboten teilnehmen. „Für viele war es eine spannende Gelegenheit, die Universität einmal aus nächster Nähe zu erleben und ihren Familien zu zeigen, woran sie bei Labs on Tour gearbeitet haben“, sagt Maria Hinkelmann. Für Juli ist die nächste Abschlussveranstaltung geplant.
Lehrpreise der RWTH Aachen: Auszeichnung für innovative Lehre und engagierte Lehrende
Die RWTH Aachen hat ihre diesjährigen Lehrpreise verliehen und damit besonderes Engagement und innovative Ansätze in der Hochschullehre gewürdigt.
Sonderlehrpreis für die App Phyphox
Der Sonderlehrpreis der RWTH geht in diesem Jahr an die App Phyphox, mit der physikalische Experimente direkt mit dem Smartphone durchgeführt werden können. Die Anwendung verwandelt mobile Endgeräte in vielseitige Messinstrumente und ermöglicht es unter anderem, die Geschwindigkeit eines Aufzugs oder die Beschleunigung einer Achterbahn zu messen.
Phyphox wurde von einem Team um die Experimentalphysikerinnen und Experimentalphysiker Professor Christoph Stampfer, Dr. Sebastian Staacks, Professorin Heidrun Heinke und Dr. Dominik Dorsel entwickelt. Die App kommt sowohl an Schulen und Hochschulen als auch im Alltag zum Einsatz und greift auf die im Smartphone verbauten Sensoren zurück. Die erhobenen Messdaten können direkt verarbeitet und grafisch dargestellt werden.

Professor Joost-Pieter Katoen (r.), Prorektor für Lehre, überreichte dem Entwicklerteam von Phyphox, Professorin Heidrun Heinke, Dr. Dominik Dorsel, Professor Christoph Stampfer, Dr. Sebastian Staacks (v. l.) die Urkunde.
Die Anwendung ist kosten und werbefrei für Android und iOS verfügbar und wird seit 2016 kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile verzeichnet Phyphox mehrere Millionen Installationen und unterstützt mehr als 20.000 Smartphone Modelle. Ein besonderer Fokus liegt auf der langfristigen Kompatibilität mit älteren Geräten. Dank freiwilliger Übersetzerinnen und Übersetzer ist die App zudem in 19 Sprachen verfügbar.
Das Rektorat begründet die Vergabe des Sonderlehrpreises mit der hohen überregionalen Reichweite und der großen Strahlkraft, die mit Phyphox für die RWTH verbunden ist. Die App gilt als nachhaltiges Erfolgsmodell für innovative Lehre. Mit der Auszeichnung möchte das Rektorat die Bedeutung des Projekts für die gesamte Hochschule hervorheben und die weitere Entwicklung unterstützen.
Lehrpreis für Dr. Stefan Lankes
In der Kategorie Lehrende erhält Dr. Stefan Lankes vom Lehrstuhl für Automation of Complex Power Systems den Lehrpreis. Vorgeschlagen wurde er von der Fachschaft für Elektrotechnik und Informationstechnik, die insbesondere seine Fähigkeit hervorhebt, komplexe Inhalte verständlich, strukturiert und praxisnah zu vermitteln.
Die Fachschaft betont den klaren Kompetenzbezug seiner Lehrveranstaltungen sowie die konsequente Orientierung an den Lernzielen. Besonders hervorgehoben wird zudem der gezielte Einsatz digitaler Werkzeuge, die das Selbststudium der Studierenden unterstützen. Durch interaktive Aufgaben, automatisierte Tests und regelmäßiges Feedback fördert Dr. Lankes eigenständiges Lernen und Motivation.
Sein kooperativer Stil in Vorlesungen und Übungen schafft eine wertschätzende Lernatmosphäre und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe. Auch in Projekten, Abschlussarbeiten und interdisziplinären Seminaren legt Dr. Lankes großen Wert auf Anwendungsnähe und die Verbindung zur aktuellen Forschung. Für Rückmeldungen der Studierenden nimmt er sich bewusst Zeit und zeigt sich offen und gesprächsbereit.
Über die eigene Lehre hinaus engagiert sich Dr. Lankes in Studierendeninitiativen sowie in internationalen Kooperationsprojekten, darunter Summer Schools und Forschungsprojekte mit Partnerhochschulen. Bei der Planung des Studiengangs Computer Engineering zum Wintersemester 2021/2022 war er von Beginn an beteiligt und setzte sich im Studienbeirat für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung sowie für die Studierendenfreundlichkeit des Studiengangs ein.
RWTH Aachen unter den weltweit führenden Universität
Das TIME Magazin hat erstmals ein internationales Hochschulranking veröffentlicht, in dem die 500 besten Universitäten weltweit aufgeführt werden. In diesem globalen Vergleich konnte sich die RWTH Aachen erfolgreich positionieren und zählt damit offiziell zu den führenden Hochschulen auf internationaler Ebene.
Von den über 400 Hochschulen in Deutschland erreichten lediglich 44 Universitäten einen Platz in der Rangliste. Die RWTH Aachen belegt dabei Rang 120 weltweit und nimmt im nationalen Vergleich einen herausragenden siebten Platz ein. Dieses Ergebnis unterstreicht die starke Stellung der RWTH innerhalb der deutschen und internationalen Hochschullandschaft.
Die Bewertung im Ranking basiert auf mehreren Indikatoren, die zentrale Leistungsdimensionen von Universitäten abbilden. Dazu zählen die wissenschaftliche Leistung, die Innovationsfähigkeit, der Einfluss auf die Wirtschaft sowie die Internationalität. Diese Kriterien spiegeln wesentliche Aspekte wider, die auch den universitären Alltag in Forschung und Lehre prägen.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bereich der Internationalisierung. Diese wird anhand der Anzahl der Mitarbeitenden und Studierenden gemessen, die aus dem Ausland an die jeweilige Hochschule kommen. In dieser Kategorie erreicht die RWTH 68,82 Punkte und belegt damit Rang 89 weltweit. Innerhalb Deutschlands liegt die RWTH in diesem Bereich auf dem zweiten Platz.
Das Abschneiden der RWTH im Ranking des TIME Magazins bestätigt die Position der Hochschule als leistungsstarker und international geprägter Forschungsstandort und bietet zugleich eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung von Forschung, Lehre und akademischem Austausch.
Picture Coding Symposium 2025: Weltspitze der Bildcodierung zu Gast an der RWTH
Aachen wurde im Dezember 2025 zum globalen Zentrum der Bild- und Videocodierung. Erstmalig fand das traditionsreiche Picture Coding Symposium (PCS) an der RWTH Aachen statt. Unter der Leitung von Professor Mathias Wien und Professor Jörn Ostermann kamen 162 Teilnehmer aus 19 Ländern im SuperC zusammen, um neueste Forschungsergebnisse auszutauschen.

Foto: Mirco Seidler
Ehre für Professor Jens-Rainer Ohm Ein besonderer Höhepunkt war die Würdigung von Professor Jens-Rainer Ohm, dem langjährigen Leiter des Lehrstuhls für Nachrichtentechnik. Seine Beiträge zur Standardisierung von Videocodierverfahren wie AVC, HEVC und VVC bilden heute die Grundlage für die Videonutzung auf fast allen Fernsehern und Mobiltelefonen weltweit.
Die interaktive Atmosphäre förderte den intensiven Austausch von Wissen und Ideen zwischen internationalen Forschern aus Hochschulen und Industrie. Die Organisatoren zeigten sich erfreut über das positive Feedback der Teilnehmer und betonten die Bedeutung solcher Veranstaltungen für den wissenschaftlichen Fortschritt und die internationale Zusammenarbeit.
RWTH-Elektrotechnik sichert sich Platz 8 im europäischen Vergleich
Unsere Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik hat erneut ihre Exzellenz unter Beweis gestellt. Im aktuellen EngiRank 2025 belegt die RWTH Aachen nicht nur insgesamt den 7. Platz unter 239 technischen Universitäten in Europa, sondern glänzt besonders in unserem Fachbereich:
Top 10 in Europa: Im Bereich Elektrotechnik sichern wir uns den hervorragenden 8. Platz europaweit.
Starke Performance: Mit 91,91 von 100 möglichen Punkten konnte sich die RWTH im Vergleich zu den Vorjahren steigern und belegt deutschlandweit den zweiten Platz.
Innovationsmotor: Die Bewertung bestätigt unsere Stärke in den Kategorien Forschung, Innovation, Patentanmeldungen sowie bei der Einwerbung von EU-Forschungsmitteln.

Martin Braun
Dieser Erfolg ist das Ergebnis der harten Arbeit unserer Studierenden und Forschenden. Wir sind stolz darauf, eine der ersten Adressen für die Innovatoren von morgen zu sein.
Drei herausragende Abschlussarbeiten unserer Fakultät mit dem Friedrich-Wilhelm-Preis 2025 ausgezeichnet
Bei der Verleihung der Friedrich-Wilhelm-Preise 2025 wurden am vergangenen Freitag insgesamt 17 Studierende und Doktoranden der RWTH für exzellente wissenschaftliche Arbeiten geehrt. Unter ihnen befanden sich drei Preisträger aus der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.
Aus unserer Fakultät ausgezeichnet wurden Jonas Timon Schroeder, M. Sc., für seine Masterarbeit (betreut von Prof. Monti), Dr.-Ing. David Wasylowski für seine Dissertation (betreut von Prof. Sauer) sowie Dr.-Ing. Felix Jiang für seine Dissertation (betreut von Prof. Ingebrandt). Die Preise wurden durch RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger in der Aula des Hauptgebäudes überreicht, musikalisch begleitet von der RWTH-Bigband.

Foto: Andreas Schmitter
Der Friedrich-Wilhelm-Preis wird von der Friedrich-Wilhelm-Stiftung verliehen, die 1865 von der Rechtsvorgängerin der heutigen Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft gegründet wurde. Ihr zentrales Anliegen ist die Förderung von Forschung und Lehre sowie die Unterstützung von Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der RWTH. Der Name der Stiftung geht auf Friedrich Wilhelm III. zurück, preußischer Kronprinz und späterer Kaiser: 1858 erhielt dieser eine Spende von 5.000 Talern, um ein Polytechnisches Institut in der Rheinprovinz zu gründen. Diese Spende bildete den Grundstock für die spätere Friedrich-Wilhelm-Stiftung und damit für die Entwicklung der RWTH.
Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll die wissenschaftliche Breite und Leistungsfähigkeit unserer Fakultät. Die Preisträger repräsentieren zentrale Bereiche der modernen Elektrotechnik und tragen mit ihren herausragenden Abschlussarbeiten zur Sichtbarkeit und Stärke unserer Forschung bei. Die Fakultät gratuliert Herrn Schroeder, Herrn Dr. Wasylowski und Herrn Dr. Jiang herzlich zu dieser bedeutenden Auszeichnung.

