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Intern Abroad

Kategorie: ‘New Zealand’

Mein Aufenthalt als RWTH Research Ambassador in Neuseeland

April 27th, 2026 | by
  • PhD-Kandidat in der Energiewirtschaft
  • Neuseeland, Christchurch und Neuseeland, Dunedin
  • University of Canterbury und University of Otago
  • 01/2026 – 04/2026

1. Vorbereitung und Organisation des Aufenthalts

Die Vorbereitung meines Aufenthalts in Neuseeland begann mit der fachlichen Abstimmung mit den Gastgebern und der formalen Einbettung in die jeweiligen Strukturen der Partneruniversitäten. Es wurde direkt zu Beginn klar gemacht, dass man eigenes Funding mitbringen muss. Da dies in meinem Fall gegeben war, war der Kontakt mit den ForschungsgruppenleiterInnen pragmatisch und “welcoming”.

Gastuniversitäten und Einbindung

  • ©International Office

    University of Canterbury (Christchurch): Sustainable Energy Research Group (SERG)

  • University of Otago (Dunedin): Austausch mit der lokalen Energieforschung

Inhaltlich stand von Beginn an fest, dass der Aufenthalt in Christchurch nicht nur einem klassischen Forschungsbesuch dienen sollte, sondern die gezielte Weiterentwicklung und Finalisierung einer internationalen Kooperation im Themenfeld „low carbon und climate resilient buildings“ im Kontext der Horizon Europe Förderlandschaft vorantreibt. Der Forschungsaufenthalt in Dunedin war jedoch ergebnisoffen.

Visa, Einreise, Versicherung (Rahmenbedingungen)
Für deutsche Staatsangehörige ist bei Kurzaufenthalten häufig eine Einreise über das Visa Waiver Programm mit vorheriger NZeTA-Beantragung möglich; bei Einreise kann dann ein Besuchsstatus von bis zu 3 Monaten gewährt werden. (Immigration New Zealand)
In der Praxis lohnt es sich, früh zu prüfen, ob die eigene Tätigkeit (z.B. Forschungsaufenthalt ohne lokale Vergütung) vollständig mit dem gewählten Status kompatibel ist, und ob zusätzliche Anforderungen der Gastinstitution (z.B. Nachweise zur Krankenversicherung) gelten.

Zusätzlich sollte man die International Visitor Conservation and Tourism Levy (IVL) einplanen, die bei vielen Einreise- und Visaprozessen anfällt und aktuell bei NZD 100 liegt. (Immigration New Zealand)

Reiseorganisation
Da Neuseeland sehr weit entfernt ist, sind Jetlag und „Ankommenszeit“ realistische Faktoren in der Planung. Ich habe daher bewusst Puffer für die ersten Arbeitstage eingeplant, um direkt arbeitsfähig zu sein. Für mobile Phasen (Christchurch und später Dunedin) hat es sich bewährt, Unterlagen digital und redundant verfügbar zu halten (Cloud plus Offline-Kopie), da man häufig zwischen Campus, Unterkünften und Terminen pendelt.

 

2. Erste Schritte nach der Ankunft und Qualität der Unterkunft

Nach der Ankunft standen zunächst pragmatische Dinge im Vordergrund: lokale SIM, grundlegende Orientierung, Wege zum Campus, sowie die Abstimmung der Arbeitsroutinen (Zugang, Büro, Meetingstruktur). Besonders hilfreich war, dass beide Universitäten mit internationalen Gästen routiniert umgehen und entsprechende Kontaktpunkte anbieten.

Unterkunft
In Neuseeland ist der Wohnungsmarkt in Universitätsstädten spürbar angespannt, und kurzfristige, möblierte Optionen sind häufig deutlich teurer als langfristige Mietverträge. Für Forschungsaufenthalte mit Standortwechsel ist eine möblierte Kurzzeitlösung dennoch meist die praktikabelste Option. Aus meiner Sicht lohnt sich:

  • frühzeitige Suche über AirBnb oder Uniangebote (je nach Saison mehrere Wochen bis Monate vorher),
  • klare Lageprioritäten (Nähe zum Campus vs. Innenstadt),
  • Heizstandard/Isolierung aktiv prüfen, weil Gebäudequalität stark variieren kann (gerade im Winterhalbjahr à für mich nicht relevant, da Sommer).

 

3. Akademische und berufliche Erfahrungen

Der Kern meines Aufenthalts war die Kombination aus inhaltlicher Projektarbeit, institutioneller Repräsentation und strategischer Netzwerkentwicklung.

Forschungs- und Projektfokus

©International Office

In Christchurch war ich am SERG an einem RWTH-geführten Horizon-Europe-Konsortium im Built4People-Kontext angebunden. Inhaltlich adressiert der Call innovative Pfade zur Dekarbonisierung und Klimaanpassung des Gebäudebestands und betont dabei Skalierbarkeit, Validierung in mehreren Ländern sowie die Einbindung relevanter Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette. (CORDIS)

Als Projektverantwortlicher habe ich vor Ort insbesondere:

  • die technische und konzeptionelle Abstimmung zwischen europäischen und neuseeländischen Partnern koordiniert,
  • die Beiträge konsistent in die Gesamtarchitektur des Antrags integriert,
  • die finale Einreichung im Zeitfenster der Ausschreibung aus Christchurch heraus abgeschlossen.

Der Call selbst war im EU Funding & Tenders Portal mit Öffnung im September 2025 und einer Deadline Mitte Februar 2026 gelistet. (European Commission)
Damit wurde der Aufenthalt auch organisatorisch zu einem „Real-Life-Stresstest“: internationale Zeitzonen, parallele Abstimmungsprozesse und die Notwendigkeit, in kurzer Zeit belastbare Konsenspositionen herzustellen.

Wissenschaftlicher Austausch und Sichtbarkeit
Während meines Aufenthalts habe ich meine Forschung und die Arbeit meines Instituts an der RWTH Aachen University (insbesondere zu E-Mobilität, Energiespeichern, Demand-Side-Flexibilität und Energiesystemintegration) in zwei Formaten vorgestellt:

  • SERG Research Talk in Christchurch
  • OERC Seminar in Dunedin

Als Research Associate und PhD-Kandidat in der Energiewirtschaft arbeite ich an der Schnittstelle von Energiesystemen, Marktmechanismen und Akzeptanz bzw. Nutzerverhalten, unter anderem zu dynamischer Bepreisung und Flexibilitätsoptionen.
Die Präsentationen waren besonders wertvoll, weil sie nicht nur Forschungsergebnisse „exportiert“ haben, sondern die Gelegenheit boten, die Anschlussfähigkeit an die neuseeländische Forschungsagenda konkret zu diskutieren (z.B. Gebäudebestand, Systemintegration erneuerbarer Energien, Elektrifizierung).

Zweiter Standort: University of Otago
Der anschließende Aufenthalt in Dunedin war ein bewusst gesetzter zweiter Ankerpunkt. „Ergebnisoffenes“ Ziel war es, eine zusätzliche institutionelle Schnittstelle aufzubauen und den Austausch mit der lokalen Energie-Forschungsgemeinschaft zu vertiefen. Das hat die Kooperationsperspektive deutlich verbreitert, fachlich wie organisatorisch.

 

4. Finanzierung und Kosten

Neuseeland ist insgesamt ein Land mit geringeren Lebenshaltungskosten als viele Studierende und Forschende es aus Deutschland gewohnt sind, insbesondere bei Lebensmitteln und Restaurantbesuchen. Voraussetzung für diese Wahrnehmung ist das deutsche Gehalt, denn das Lohnniveau der NeuseeländerInnen ist geringer als das der Deutschen.

Dennoch gibt es gewisse Kostentreiber

  • Unterkunft: Kurzzeitmieten schlagen stark zu Buche, vor allem bei guter Lage und möblierter Ausstattung.
  • Mobilität: Innerstädtisch geht vieles mit Bus und zu Fuß, aber für Ausflüge und interregionale Wege sind Mietwagen oder Inlandsflüge häufig die realistischen Optionen.
  • Lebensmittel: Wenn man sich abseits der lokal hergestellten Nahrungsmittel kulinarisch bewegen will. Produkte aus Europa (z.B. Mozzarella, Parmesan, Olivenöl) sind verständlicherweise teurer.

Praktische Punkte

  • Eine Kreditkarte ohne Auslandsgebühren ist sehr hilfreich.
  • Viele Zahlungen laufen kontaktlos, Bargeld ist nebensächlich (habe genau gar keins gebraucht).

 

5. Freizeit, Kultur, Insider-Tipps

Neuseeland eignet sich hervorragend, um Naturerlebnis und Arbeitsalltag zu verbinden, gerade weil viele Orte in kurzer Zeit erreichbar sind, wenn man Wochenenden strategisch nutzt.

Rund um Christchurch

  • Port Hills für kurze After-Work-Hikes mit Blick über die Stadt
  • Banks Peninsula und Akaroa für Küstenlandschaft und „kleine Auszeit“
  • Tages- oder Wochenendtrip Richtung Arthur’s Pass oder Lake Tekapo (Wetterfenster beachten)

Rund um Dunedin

  • Otago Peninsula (Natur, Küste, Wildlife)
  • Moeraki Boulders als klassischer Abstecher an der Küste
  • Die Catlins, wenn man ein langes Wochenende einplanen kann

Kulturell
Was ich besonders positiv erlebt habe: eine sehr zugängliche Gesprächskultur im akademischen Umfeld und eine hohe Selbstverständlichkeit interdisziplinärer Perspektiven, gerade in Energie- und Gebäudethemen (Technik, Policy, soziale Dimensionen).

 

6. Mehrwert für Studien- und Karriereweg und gesellschaftlicher Nutzen

Der Aufenthalt hat meinen akademischen Weg in mehrfacher Hinsicht konkret gestärkt:

Karriere- und Forschungsmehrwert

  • Internationale Leitungserfahrung: Die Antragseinreichung unter realen Zeit- und Koordinationsbedingungen hat Projektführungsfähigkeiten in einem Horizon-Europe-Setting deutlich geschärft.
  • Inhaltliche Erweiterung: Der neuseeländische Kontext (Gebäudebestand, Klima, Systembedingungen) hat neue Vergleichs- und Transferfragen eröffnet, die ich in meine Forschung zurücktrage.
  • Sichtbarkeit der RWTH: Durch Vorträge und institutionelle Anbindung wurde RWTH-Forschung in der lokalen Community präsent und konkret „adressierbar“.

Gesellschaftlicher Nutzen (Transfergedanke)
Ein persönlicher roter Faden meiner Arbeit ist die Frage, wie Energiewende praktisch akzeptiert, verstanden und mitgetragen werden kann. Ich engagiere mich dafür auch außerhalb der Universität, etwa über Formate zur Energiekompetenz und zur Verbindung von Technik, Kosten und Alltagsrealität.
Die neuseeländischen Gespräche haben mir neue Beispiele geliefert, wie Kommunikation über Energie und Gebäude stärker nutzerzentriert und weniger technokratisch gelingen kann.

 

7. Nachhaltiger Charakter des Auslandsaufenthalts

Der nachhaltige Charakter meines Aufenthalts ergibt sich aus drei Punkten:

  1. Verstetigung von Kooperationen: Der Besuch war nicht nur Networking, sondern direkt in ein gemeinsames, strategisches Vorhaben eingebettet (Built4People/Horizon Europe). (CORDIS)
  2. Zwei institutionelle Anker: Christchurch und Dunedin bilden zwei Kontaktpunkte, die perspektivisch unterschiedliche Kooperationspfade eröffnen (thematisch wie personell).
  3. Wissenschaftliche Anschlussfähigkeit: Es sind gemeinsame Paper-Ideen, die Bereitschaft von Daten- und Methodenaustausch, mögliche Co-Supervisionen und Gastvorträge entstanden.

 

8. Fazit

Als RWTH Research Ambassador in Neuseeland war mein Aufenthalt mehr als ein klassischer Forschungsbesuch. Er war eine Kombination aus Projektverantwortung, wissenschaftlicher Sichtbarkeit und gezieltem Aufbau belastbarer Partnerschaften. Besonders wertvoll war die Erfahrung, einen zentralen Antragsschritt eines internationalen Konsortiums direkt vor Ort zu finalisieren und gleichzeitig RWTH-Forschung im neuseeländischen Kontext zu positionieren.

Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir mit dem Stipendium entgegengebracht wurde, und sehe in den geknüpften Kooperationen eine sehr konkrete Basis für langfristige gemeinsame Forschung und nachhaltigen Wissenstransfer zwischen RWTH Aachen University und Partnern in Neuseeland.